Rezension

Bosse

Wartesaal


Highlights: Weit Weg // Metropole
Genre: Indie // Pop
Sounds Like: Tomte // Kettcar // Junges Glück // ClickClickDecker

VÖ: 25.02.2011

Winter, geh nach Hause. Ach, wie spricht uns Axel Bosse manchmal aus der Seele: Dieses Mal, wenn er seinen Song “Nächsten Sommer” erklärt (“Es geht darum, dass man einfach irgendwann nicht mehr kann in diesem schrecklichen Februar“). Der ist Teil des vierten Bossealbums “Wartesaal”, das es als Nachfolger des grandiosen “Taxi” nicht leicht haben wird. Und eines sei gleich vorweggenommen: An seinen Vorgänger kommt “Wartesaal” nicht heran. Es ist zwar ein Album, das gefällt, das ins Ohr geht, in manchen Momenten auch ans Herz, aber irgendetwas fehlt.

Im Vorfeld der Veröffentlichung gab es eine große Promoaktion von Universal, inklusive iTunes-Countdown und gesprochenen Linernotes zu jedem Song. Letzteres gibt interessante und manchmal ein wenig irritierende Einblicke in Axel Bosses Kopf. In “Wende Der Zeit” geht es also um “die Beobachtungen einer Person, die öfters mal zum Bäcker geht” und in “Die Regie” wollte er nach eigener Aussage auch nur ein Lied über labbrige Kartoffeln schreiben, die im Flugzeug immer aussehen wie Birnen. Ja nee, is' klar.

Naja, immerhin kann man dem guten Mann keine mangelnde Kreativität in puncto Songwriting vorwerfen. Und das ist schließlich schon immer Bosses größte Stärke gewesen. Manchmal geht es zwar ein bisschen holprig zu, vor allem die Stadtvergleiche aus “Metropole” nerven irgendwann. Dass es manches Mal kitschig werden würde, war ja klar (Wenn ich nachts nicht schlafen kann, dann hat das nur mit dir zu tun) und ähm, da wo deine Füße stehen, beginnt die Wende der Zeit. Hab ich das nicht schon mal so oder so ähnlich gehört?

In den meisten Fällen aber sind die Texte so, wie man sie erwartet hatte: Sie sind ehrlich und schön und gerade die Tatsache, dass sie manchmal etwas seltsam sind, macht ihre Anziehung aus, wie zum Beispiel in "Du Federst": Und die schönsten Türen waren noch immer die Drehtüren, wo man wunderbar im Kreis läuft. Dafür stimmt die musikalische Untermalung, neben Songwriterstücken mit Akustikgitarre gibt es auch Bandaction, natürlich inklusive Klavier und Streichern und außerdem geht das gesamte Album mal wieder wahnsinnig schnell ins Ohr. Nur die Neuauflage von “Frankfurt Oder” (diesmal als Duett mit Anna Loos von “Silly”) hätte man sich sparen können. Gerade die Rohheit der ersten Version machte immer dessen Charme aus.

So weit, so gut. Aber das scheint irgendwie nicht genug zu sein. “Wartesaal” kommt nicht an “Taxi” heran, so wenig wie “Weit Weg” an “Liebe Ist Leise” herankommt. Es ist zwar gut, aber eben nicht großartig. Mitreißend, aber nicht zwingend. Alles gefällt, aber nur Weniges kann wirklich begeistern.

Lisa Dücker

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