Rezension

Bonobo

Days To Come


Highlights: Days To Come // If You Stayed Over // Ketto
Genre: Downtempo // Chillout // Jazz
Sounds Like: Thievery Corporation // Kruder & Dorfmeister

VÖ: 29.09.2006

Bonobo ist eines dieser Projekte, bei dem sich ein Soundtüftler/Produzent zuhause hinsetzt, den PC anwirft und anfängt, Lieder zu entwerfen. Ein Sample hier, eine Loop da, dazu eine Hand voll Instrumente im Nebenraum und ein Telefon, um sich Gastmusiker einzuladen. Zumindest sehen so meine "Vorurteile" aus. Der Kopf hinter diesem Projekt ist Simon Greene, als Sänger sind die in Deutschland ansässige Bajka und der britische Singer/Songwriter Fink mit an Bord.

Greene verwendet auf "Days To Come", seinem dritten Album als Bonobo, eine Heerschar an Instrumenten und Samples, die Hauptrolle gehört jedoch eindeutig dem Schlagzeug. Meist sehr vordergründig und verspielt, begleitet es den Hörer durch die Songs und positioniert das Album irgendwo in der Ecke "beatgetriebener Chillout, zu dem man gut die Hüften kreisen lassen kann". Dazu gesellen sich Bläser, Flöten, Streicher, Bongos, schnippende Finger, klatschende Hände und, nicht zu vergessen, Bass- sowie gezupfte Akkustikgitarre. Selbstverständlich sind das nur die wichtigsten der verwendeten Instrumente, aber sie alle bewirken, dass "Days To Come" trotz aller Samples ein sehr organisches Album ist.

Auf das Flöten-"Intro" folgen zwei Lieder, in denen Bajka eindrucksvoll ihre Stimme in den Sound einbettet. Kommt man sich bei ersterem, dem Titeltrack "Days To Come", noch vor als schreite man arschkreisend durch eine indische Lounge, beamt einen das darauf folgende "Between The Lines" direkt in eine Soul-Jazz-Bar in New York City, mit an Bord natürlich der Schlangenbeschwörer samt seiner Flöte. Dazu gesellen sich Songs, zu denen man herrliche seine Gedanken schweifen lassen kann. Oder besser, die die Gedanken nehmen, in ein weiches Tuch betten und schön gemächlich Richtung Wolken empor heben, allen voran der Instrumentaltrack "Ketto".

Vier Lieder mit Bajkas Vocals und fünf Instrumentals laden gleichzeitig zum Hüfte und/oder Gedanken kreisen lassen ein. Einzig "If You Stayed Over" fällt etwas aus dem Rahmen und würde eher auf eine Singer/Songwriter-Platte passen. Labelkollege Fink sorgt darin von Streichern, Flöten und Bass begleitet für den in Melancholie gehüllten Gesang. Als der Song ausklingen möchte, schleichen sich Gitarre und Schlagzeug von hinten an und bilden damit einen der schönsten Momente auf dem Album.

Zu Chillout- und Tanzappeal gesellt Greene vor allem durch die vielen Bläser eine jazzige Komponente, die Langeweile und Eintönigkeit in jeder Sekunde von "Days To Come" fernhalten. In "Transmission94" ertönen gegen Ende gar Bläser, die an das Kammerflimmer Kollektief denken lassen. Damit ist das Album weit entfernt von gewöhnlichem Hintergrundgedudel und sollte Bonobo den bisher verwehrten Popularitätsschub bringen.

Matthias Kümpflein

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