Rezension

Against Me!

White Crosses


Highlights: White Crosses // I Was A Teenage Anarchist // Rapid Decompression // Bamboo Bones
Genre: Powerpop // Springsteen-Rock
Sounds Like: The Gaslight Anthem // The Hold Steady // The Loved Ones // Alkaline Trio

VÖ: 04.06.2010

„Schluss“ hieß es für so manchen Anhänger erster Stunde, als Against Me! vor drei Jahren ihre „New Wave“ ausriefen und plötzlich heftigst mit dem Rock flirteten. Eingängiger waren sie bis dato nie. Die Szene statuierte gleich das Exempel und trat der Band verbal deftig in den Hintern – hatte sie doch jüngst erst noch zum Major gewechselt. Kennt man, ist ja nicht das erste Mal. Ist es jetzt Punk, sich davon einlullen zu lassen? Na, eben nicht. "White Crosses" legt hierauf den Finger: Jeder, der seinem Fanstatus nach „New Wave“ schon den Strick geknöpft hatte, darf ihn jetzt auch darin aufhängen. Alle anderen sollten weiterlesen.

Weg vom Punk, hin zum Rock mit Note Springsteen – hier sitzen Against Me! nun im Sattel. Und hier sind sie federführend. Dachte sich wohl auch Keyboarder Franz Nicolay, der mal eben von The Hold Steady als Tourmitglied zum gefühlten Tabellenführer wechselte. Und früh auf „White Crosses“ zeigt sich, dass nicht nur die neue Besetzung mit so mancher Gewohnheit von früher bricht. Ob man sich erinnere, wie man noch jung war und die Welt in Brand setzen wollte, fragt Tom Gabel, und das ausgerechnet im Punkrocker „I Was A Teenage Anarchist“ – Nostalgie, wir grüßen dich. Es war gut, wie es war, aber es ist durch, das sagt auch „Rapid Decompression“, ein schwitzige Chöre schleudernder Sommerhit, den die Band in weniger als zwei Minuten durchs Ziel jagt.

Und das Klavier? In „Because Of The Shame“ und „We're Breaking Up“ klingt's kurz nach Klingelton. Ansonsten bleibt es stumm. Feuerzeuge also schön in den Taschen lassen, auch wenn die Hand bei „Ache With Me“ kurz zuckt. Ja, noch etwas glatter, ein wenig gleichförmiger gibt sich der Vierer auf „White Crosses“. Ansonsten bietet das fünfte Album der Band – nicht zuletzt wegen der kernigen Spielzeit von 36 Minuten – wenig Angriffsfläche: Die Tracklist geht auf, Hymnen („Because Of The Shame“) und freudige Kracher („High Pressure Low“) geben sich die Klinke in die Hand und ganz am Schluss macht „Bamboo Bones“ den Laden mit einem Meisterstück von Refrain dicht, den Tätowierer bald am Fließband in Oberarme stechen werden: „What God doesn't give to you, you gotta go and get for yourself“. Fäuste recken, anyone?

Es kommt nicht von ungefähr, dass „White Crosses“ jetzt im Juni in den Läden steht, wo die Sonne sich nun endlich einen Stammplatz am Firmament gesichert hat. Sommer und Against Me! Passen ab jetzt wie Arsch auf Eimer. Als Teenager noch Anarchisten, als Frühdreißiger sicher auf beiden Beinen – das sagen nicht nur die Lyrics, danach klingt „White Crosses“ durch und durch. Altern mit Würde – so macht man's.

Gordon Barnard

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