Rezension

65daysofstatic

A Destruction Of Small Ideas


Highlights: Don't Go Down To Sorrow // The Distant & Mechanised Glow Of Eastern European Dance Parties
Genre: Postrock
Sounds Like: From Monument To Masses // Do Make Say Think // God Is An Astronaut

VÖ: 27.04.2007

So langsam bekommt man den Eindruck, dass Postrock gerade wirklich groß im Kommen ist. Beinahe wöchentlich hagelt es neue Namen und ganze All-Star-Postrock-Bands werden gar gegründet. Nun sind 65daysofstatic zwar schon eine Weile dabei, müssen sich aber ob der wachsenden Konkurrenz schnell bewähren und legen bereits nach nur einem Jahr einen Nachfolger zu „One Time For All Time“ nach. Für Genreverhältnisse ein geradezu erschreckend kurzer Zeitraum, und so geht man bereits eher skeptisch an „The Destruction Of Small Ideas“ ran.

Und ohne vorher lange Reden zu schwingen: Das Album ist eine einzige Ironie. Der Titel bringt so ziemlich das Hauptproblem von 65daysofstatic auf den Punkt. Mit ihrem erfrischend anderen Mix aus Postrockelementen und elektronischen Versatzstücken brachte die Band frischen Wind in ein eingestaubtes Genre. Das war neu, das war innovativ. Mit der nunmehr dritten Platte funktioniert das alles aber nicht mehr so gut, wie zu Beginn. Man möchte ja auch nicht nach drei Tagen noch in ein frisch gekauftes Brötchen beißen. 65daysofstatic halten dermaßen an ihrem Bandsound fest, dass aufkommende Ideen bereits im Keim erstickt werden.

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wird hier eine Produktion abgeliefert, die so blutarm ist, wie der Körper von Marilyn Manson. Ok, die Schlagzeugparts kamen zwar vorher auch schon aus dem Off Beat, aber da wurde wenigstens noch der Lautstärkeregler weiter nach oben gedreht. Die Gitarren klingen nicht bissig, die elektronischen Effekte wie zahme Laborratten. Einfach nur ein einziges Ärgernis, dabei kommt es doch gerade bei einer rein instrumentalen Band beinahe mehr auf eine gute Produktion an, als auf alles andere.

Die erste Single hatte doch soviel versprochen! „Don´t Go Down To Sorrow“ kam mal mit einem völlig anderen Ansatz daher. Ruhiger Pianoeinstieg, dann eine wunderschöne Gitarrenmelodie und schließlich der gemächliche, aber doch dramatische Anstieg zu einem polyrhythmischen Höhepunkt. Hier und da gibt’s auch noch immerhin andere gelungene Versuche zu entdecken. So besticht „The Distant & Merchanised Glow Of Eastern European Dance Partys“ durch den Mut zur hemmungslosen Clubnummer, und „White Peak/Dark Peak“ ist das ultimative Aufeinandertreffen von Feedbackgewittern und Klavier. Der Rest ist leider Gottes - und das muss man so deutlich sagen - größtenteils einfach nur enttäuschend und langweilig. Als letztes Statement kommt am Ende der Rezension so auch der Opener ins Spiel: „When We Were Younger And Better“.

Benjamin Köhler

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