Rezension

65daysofstatic

Wild Light


Highlights: Heat Death Infinity Splitter // Prisms // Sleepwalk City
Genre: Post-Rock // Electronica
Sounds Like: Godspeed You! Black Emperor // God Is An Astronaut // Explosions In The Sky

VÖ: 13.09.2013

No one knows what is happening
No one knows what is happening
There is a lot of danger out there... okay?

Mit diesen Sätzen begrüßt uns eine verzerrte, weibliche Stimme auf „Wild Light“, dem neuen Album von 65daysofstatic. Diese Worte sind der Fahrplan für acht Tracks, von denen niemand weiß, wohin sie führen. Auch nicht nach dem Hören. Und: Es werden die einzigen Worte bleiben. Ansonsten: Loops sphärischer und ruhiger, keinesfalls aber beruhigender Klänge reihen sich so nahtlos aneinander, dass nicht nur die Spannungsbögen verblassen, sondern auch die Grenzen zwischen den Tracks im Nebel verschwinden.

Dieses Gefühl von Desorientierung und von Haltlosigkeit stellt die Klammer, den Bogen des Albums dar, das sich bandtypisch als Melange aus Post-Rock und Ambient gibt – wobei die Betonung auf dem zweiten Element liegt, und das ist ungewöhnlich. „Wild Light“ zu hören, fühlt sich an, als würde man ein Video schauen, das in Superzeitlupe und extremer Vergrößerung abgespielt wird. Das Vorher und das Nachher lösen sich auf.

Wenige Momente ragen aus diesem kunstvoll gesponnenen Einerlei hervor. Da ist die splitternackte Klavierpassage in „The Undertow“, da ist das ungewöhnlich handgemachte Drumming in „Blackspots“, Passagen, die kurzzeitig Aufmerksamkeit für sich beanspruchen; aber bevor wir wirklich einen Zugriff bekommen, werden diese Szenen in das Meer der wilden Lichter zurückgespült werden, und wir müssen versuchen, uns von Neuem zu orientieren. Es ist ein Abenteuer, eines, das nur genießen kann, wer versucht, sein Bedürfnis nach Orientierung über Bord zu werfen und sich treiben zu lassen.

„Wild Light“ klingt immer noch nach 65daysofstatic, ihre Gitarren und ihr Gespür für liebevolle, etwas verschrobene Melodien haben die Briten nicht verloren. Dennoch ist es schwer, das neueste Werk mit dem bisherigen Schaffen zu vergleichen. Die elektronischen Elemente stehen klar im Vordergrund, das hatte sich abgezeichnet, dennoch war die Band nie zuvor in solch radikaler Weise reduziert und entrückt, so fern von allem, was Pop-Musik ausmacht; so, als würde sie in einem Paralleluniversum auftreten. Wahrscheinlich sind 65daysofstatic ihrer Zeit einfach mehr denn je voraus. Nur: Wohin wird das noch führen?

Mischa Karth

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Offizielles Video zur ersten Single "Prisms"

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