Interview

To Kill A King


Welchen Käse mögt ihr am liebsten? Sehr zur Freude von Frontmann Ralph Pelleymounter und Bassist Josh Platman stellen wir ihnen solcherlei Fragen nicht, als wir To Kill A King vor ihrem Auftritt im Hamburger Knust interviewen. Stattdessen sprechen wir mit den Briten über Beerdigungs-Soundtracks, eine positive Neubewertung Dschingis Khans und andere lebensbejahende Themen.

Hi! Ihr habt sogar schon Groupies, die draußen sitzen, habe ich gesehen.

Ralph: Genau! Die haben uns vorhin schon Geschenke gemacht, das war schön.

Wie war denn die Tour ansonsten so?

Josh: Toll, wirklich super.

Ralph: Wir hatten uns zuvor ein paar Sorgen gemacht, weil dies ja nun auch unsere erste Headlinertour in Europa war, aber die ersten Gigs waren einfach fantastisch. Gut besucht waren die Shows auch. Es ist toll, wenn man in anderen Ländern auftritt und das Publikum trotzdem so in die Songs hineingezogen wirkt.

Beim Reeperbahnfestival habt ihr einen Song im Publikum gespielt. Wie oft macht ihr so etwas?

Ralph: Ziemlich oft! In unserer Anfangszeit haben wir auch viele Houseparty-Gigs gespielt, wo wir einfach in irgendwelchen Wohnzimmern aufgetreten sind, daher sind wir diese Art von Auftritten gewöhnt.

Ich habe mehrmals gelesen, wie du, Ralph, auf die Bitte, eure Musik zu beschreiben, mit "laut, dann leise, dann wieder laut" geantwortet hast. Das wird bei eurem Auftritt im Saturn nachher wohl nicht funktionieren?

Ralph: Nein. Das wird eher "leise, dann leise, dann wieder leise" sein.

Josh: Und ein bisschen lauter.

Diese Frage scheint dich auch ziemlich genervt zu haben.

Ralph: Ja, manche Fragen nerven mich wirklich! Ich bin mir aber sicher, dass du keine davon stellen wirst.

Eine Vorwarnung wäre aber nett.

Ralph: Also, diejenigen, die ich nicht mag, sind die, die einfach durch eine kurze Google-Suche beantwortet werden können. Das ist einfach fauler Journalismus. Außerdem interessiert sich doch niemand für solche Fragen! Weißt du, was ich meine? Wenn man einen Artikel über eine Band liest, hat man sich doch wahrscheinlich vorher mit ihr beschäftigt oder kann sie zumindest kurz bei Spotify suchen. Ich interessiere mich mehr dafür, wenn Leute die Band wirklich gehört und eine Meinung gebildet haben, denn dann kann eine Diskussion entstehen. Das geht nicht, wenn etwas schon 100000mal geschrieben wurde. Ich klinge jetzt etwas grantig, aber ich mag auch nicht, wenn Interviewer auf einmal sagen: So, jetzt ein paar lustige Fragen! "Blauer Käse oder roter Käse"? Dann sagt man "blauer Käse" und niemandem ist geholfen. Das findet doch auch niemand witzig. Wenn du mir jemanden zeigst, der sich ein Youtube-Video von einer solchen Frage anschaut und wirklich darüber lacht, dann zeige ich dir ein trauriges Individuum.

Das kann man ja auch jeden fragen. Man könnte ja wenigstens "lustige" Fragen stellen, die etwas mit der Band zu tun haben, bei euch etwa "Welchen König würdet ihr am ehesten töten" oder so.

Ralph: Ja, wenn es eine Verbindung gibt.

Josh: Bei mir wäre das wahrscheinlich Dschingis Khan, aber der ist ja schon tot.

Ralph: Ich habe einmal über Dschingis Khan gelesen, dass die Umwelt und so weiter ohne seine Taten wohl noch viel mehr in der Scheiße stecken würden als sowieso schon – er hat ja fast ein Drittel der Weltbevölkerung ausradiert. So konnten Bäume wieder wachsen.

Josh: Er hat aber auch viele Abkömmlinge hinterlassen.

Ralph: Ja, Dschingis Khan Junior, Dschingis Khan Junior Junior....

Ich weiß aber nicht, ob Leute heutzutage an die positiven Folgen für die Umwelt denken würden, wenn jemand 2,3 Milliarden Menschen umbrächte.

Weil ihr vorhin angesprochen habt, dass ihr lieber mit Leuten redet, die schon eine Meinung zu eurer Musik haben: Als ich euch zum ersten Mal gehört habe, hätte ich meinen Arm drauf verwettet, dass ihr vom Land kommt und nicht aus einer Großstadt wie Leeds.

Ralph: Oh ja, ich komme auch aus einer ländlichen Gegend in der Nähe von Leeds, wo es viele Farmen, Flüsse und so gibt. Als Jugendliche haben wir aber natürlich probiert, so oft wie möglich mit dem Bus nach Leeds zu fahren und das Stadtleben zu genießen. Aber in der Hinsicht hast du Recht! Außerdem haben meine Großeltern im Lake District an der schottischen Grenze gewohnt, wo die Stimmung ja auch recht düster ist.

Etwas Anderes: Wie geht es denn mit dem Cowboy-Konzept-Album voran, das du, Ralph, zusammen mit Dan von Bastille schreiben wolltest?

Ralph: Einen Track haben wir fertig. Aber, wie du vielleicht gemerkt hast, ist Dan mittlerweile so eine Art Superstar. Er hat letztens erst Leonardo DiCaprio getroffen! Da denkt man sich schon "Wow". Sobald wir – vor allem er – Zeit haben, werden wir auch die restlichen Songs aufnehmen können. Geschrieben sind sie schon.

Wie kommt man überhaupt auf die Idee eines Cowboy-Konzept-Albums?

Ralph: Als Dan und ich zusammen in London gewohnt haben, fing ich damit an. Ich schrieb damals wirklich viel für To Kill A King und fühlte mich davon schon eingeengt. Daher wollte ich etwas komplett Unterschiedliches ohne Verbindungen zu mir selber schreiben. Dann fing ich an, zwei Songs über Cowboys zu schreiben, Dan hörte und mochte sie und so fing das Ganze an, ein Konzeptalbum zu werden. Auch Dan machte es Spaß, etwas komplett ohne Verbindung zu seiner Person zu schreiben.

Ist es musikalisch auch so diametral anders?

Ralph: Nein, das ist es nicht. Es steckt auch überhaupt kein Country drin, es ist mehr wie eine rockigere Version von Bastille oder eine poppigere Version von To Kill A King.

Ich würde auch noch gerne etwas über "Cannibals With Cutlery" sprechen. Zum Beispiel spricht euch nie jemand auf den Song "Gasp" an – der ist ja mit der Zeile "hold your head underwater till the bubbles stop" quasi eine Mordfantasie (beide lachen).

Ralph: Wir finden es sehr interessant, wenn verschiedene Ideen zu Songs entstehen, aber eigentlich geht es in dem Song mehr über den Reflex, der es unmöglich macht, sich selbst zu ertränken. Wenn du in der Badewanne deinen Kopf unter Wasser hältst, übernimmt irgendwann dein Körper die Kontrolle und du reißt den Kopf wieder hoch. Es steckt also so eine Art vager Optimismus dahinter: Der Körper lässt dich nicht einfach sterben.

Hey, dann hättet ihr hold my head underwater schreiben müssen, das wäre eindeutiger gewesen!

Ralph: Den Song habe ich damals ziemlich schnell geschrieben. Ursprünglich war er auch noch sehr viel länger, ich musste ihn kürzen.

Die Idee ist ja auch sehr morbide.

Ralph: Ja, morbide schon, aber dabei auch sehr lebensbejahend. Das kann man so oder so auffassen. Auch "Funeral" hat ja diesen Zwiespalt und zelebriert auch stark das Leben als solches.

Trotzdem eine komische Idee, in Vorausschau auf die eigene Beerdigung Freunde finden zu wollen.

Ralph: Als ich den Refrain geschrieben hab, war das auch ein Konzept, das ich lustig fand. Daraus ist dann der Refrain entstanden.

Ein Song der Hardcoreband Touché Amoré beschäftigt sich auch mit der eigenen Beerdigung: "If the music played is more important than who'd attend, you are like me". Wie steht ihr zu diesem Zitat?

Ralph: Er scheint seine Musik sehr zu lieben. Soweit wie bei diesem Herrn geht es bei mir nicht, glaube ich. Menschen sind mir schon wichtig. Aber die Zeile ist gut.

Welche Musik würde denn bei eurer Beerdigung gespielt werden?

Ralph: Aus dieser Frage haben wir zu Weihnachten ein Spiel gemacht. Die Idee war, dass man eine wirklich lange Liste in seinem Testament hinterlassen würde, die den Song danach ausrichtet, wie man gestorben ist. Wenn du von einem Meteor erschlagen würdest, wäre das zum Beispiel "Great Balls Of Fire". Damit haben wir eine Menge Zeit verbracht. Wenn ich aus einem Flugzeug abspringe und der Fallschirm sich nicht öffnet, würde es "I Believe I Can Fly" sein. Alkohol hat definitiv eine große Rolle in diesem Spiel innegehabt. Aber mal im Ernst: Ich hatte eine sehr christliche Erziehung und daher mag ich viele Kirchenlieder, finde sie sehr bewegend. Weihnachtslieder auch.

Also "Rudolph The Red-Nosed Reindeer" bei deiner Beerdigung?

Ralph: Absolut.

Für den Tod durch unabsichtliches Selbstertränken hättet ihr ja auch schon etwas. Danke für das Interview!

Jan Martens

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