Interview

Danko Jones


Nachdem "Never Too Loud" nicht überall auf Wohlwollen stieß, stellten Danko Jones mit "Below The Belt" wohl wieder alle ihre Fans zufrieden. Ob sich Kalkül dahinter verbarg, schnitten wir im Gespräch mit Bassist John "JC" Calabrese ebenso an wie das Thema der gerne polarisierenden Bühnengebärden ihres Frontmanns – und klären schließlich auch die Frage, mit welchen Qualitäten die drei Kanadier das schöne Geschlecht von sich überzeugen könnten.

Ich würde gerne mit einer etwas allgemeineren Frage anfangen: Danko sagte einmal, Leute würden Bands wie die Ramones und Slayer mögen, weil sie dort bei neuen Alben wissen, was sie bekommen. Möchtest du, dass Danko Jones auch solch eine Band ist?

JC: Ich denke, dass wir das in gewisser Weise schon sind. Wir nehmen die Fans zwischen zwei Alben auf keine Achterbahnfahrten mit, von uns bekommen sie immer gleichermaßen eine Rockshow. So ist es beispielsweise bei Motörhead ja auch und du wirst auch keine neue Slayerplatte hören, auf der sie Akustikgitarren spielen.

Als „Never Too Loud“ herauskam, fühlten sich manche aber vielleicht doch auf solch eine Achterbahnfahrt mitgenommen, weil sie nicht bekamen, was sie erwarteten.

JC: Das kann ich nachvollziehen, aber ich glaube, dass sich „Never Too Loud“ wohl im Laufe der Zeit besser in unser musikalisches Repertoire integrieren wird, da es eine Ode an den klassischen Rock ist. Wir waren aber ja nicht auf einmal eine Indierock-Band oder so. Auf „Below The Belt“ wollten wir im Bereich des Genres nun wieder mehr Heavyweight sein (lacht).

Besonders für Rockbands ist es meiner Ansicht nach kompliziert: Einerseits will man sich nicht zu sehr außerhalb der Grenzen bewegen, die die Fans kennen, andererseits hört man schnell Kritik, dass man sich nur wiederholen würde.

JC: Das stimmt.

Hast du eine Ahnung, wieso das gerade in diesem Genre so ein Problem ist? Bands wie Radiohead dürfen ja quasi machen, was sie wollen.

JC: Radiohead klangen doch auch immer einigermaßen ähnlich. Wenn du Alben wie „Kid A“ und „OK Computer“ nimmst und dir Songs wie „Idioteque“ oder „In Limbo“ oder sogar „Creep“ anhörst, merkst du ja auch, dass es dieselbe Band ist. Ich liebe Radiohead, aber ihre Musik kann man auch immer recht leicht identifizieren. Thom Yorkes Stimme und Vocals und auch die Texte haben immer den Effekt, dass sie die Musik... dunkel machen. Das zieht mich auch bei ihr an.

Während „Never Too Loud“ von Nick Rasculinesz produziert wurde, habt ihr auf „Below The Belt“ mit Matt DeMatteo zusammengearbeitet, wie auch auf mehreren Alben vor „Never Too Loud“. War das eine Konsequenz des Vorhabens, wieder mehr Heavyweight klingen zu wollen, oder hat Matts Einfluss wieder dahin geführt?

JC: Zuerst kamen die Songs – Danko und ich waren uns einig, dass wir auf der kommenden Platte wieder härter klingen wollten. Als wir dann die Demos fertig hatten, hätten wir auch mit Nick zusammenarbeiten können, aber dachten uns: „Was machen wir jetzt? Wir waren 18 Monate auf Tour, wollen wir nun noch drei Monate nach L.A., oder wollen wir in Toronto bleiben und sehen, ob Matt uns wieder produziert?“ Matt hat sich auch sofort wieder bereit erklärt und ist in gewisser Weise wieder einmal zu einem vierten Mitglied der Band geworden, mit dem wir uns wirklich wohl gefühlt haben. Matt kennt die Band ja auch sehr gut. Mit Nick ist es außerdem ziemlich schwierig, weil er so ein gefragter Produzent ist und einen voll gestopften Zeitplan hat.

Auch wenn Danko nicht da ist, kann natürlich kein Interview mit euch ohne Fragen nach den Texten ablaufen. Ich habe mich gefragt, wie alles angefangen hat: War es eine absichtliche Entscheidung, sich auf Texte über Frauen und Sex zu konzentrieren oder hat Danko einfach zufällig einen Text nach dem anderen darüber geschrieben?

JC: Irgendwie ist Sex ja die typische Materie des Rock 'n Roll (lacht) – dass man ein Mädchen will, oder bekommt, oder mit einem zusammen ist oder auch darüber singt, dass einen ein Mädchen verrückt macht...

Naja, Turbonegro haben zum Beispiel ganz andere Themen.

JC: Ja, bei Turbonegro geht es dann oft um Rache, oder um Parties... Wir feiern aber kaum.

Tut ihr nicht?

JC: Nein. Ich persönlich zumindest nicht. Ich steh lieber morgens früh auf und fahre viel Rad und gehe gern Angeln...

Auf Wiedersehen, Rockstarklischee.

JC: (lacht) Ja, aber das ist auch wirklich ein Klischee. Ich habe lieber einen sauberen Lebensstil und bin damit auch zufrieden. Alles andere ist vor allem auf Tour auch irgendwie bescheuert und hat für mich nie Sinn ergeben. Ich bin viel gehypter, wenn ich ein tolles Abendessen bekomme oder eben Fischen gehen kann. Steve Harris von Iron Maiden spielt Tennis!

Bruce Dickinson hat ja sogar sein eigenes Flugzeug.

JC: Genau! Er ist ein sehr gutes Beispiel. Glaubst du, Bruce Dickinson betrinkt sich? Das tut er bestimmt nicht, es zwingt ihn ja auch keiner. Bei uns stehe ich zum Beispiel auch am frühesten auf, um sechs oder sieben Uhr morgens, auch wenn wir auf Tour sind, und wenn du mich dann suchst, werde ich meistens joggen und probieren, fit zu bleiben. Das ist für mich der beste Lebensstil, auch wenn mir das viele nicht glauben.

Warst du heute auch hier in Hamburg joggen?

JC: Nein, wir hatten eine Menge zu tun. Ich will auch nicht unbedingt über die Reeperbahn rennen (lacht). Morgen sind wir in München und haben einen Tag frei, da geht’s dann wohl wieder los.

Gerade hier auf dem Kiez muss man aber oft vor gewissen Frauen wegrennen...

JC: (lacht) Da würde ich wahrscheinlich aber nicht joggen.

Da wir das Thema „Sex“ hatten: Danko und sein Bühnengehabe wirken ja sehr polarisierend. Hattest du irgendwann mal das Gefühl: „Okay, das war over the top“?

JC: Oh, jedes Mal! (lacht) Dadurch fühle ich mich aber nicht angegriffen, ich hab Spaß daran. Und ich glaube: Wer sich angegriffen fühlt, sollte das auch, denn die Leute gehen ja auch zu unserer Show, um Spaß zu haben, und haben das dann auch. Auf der Rückkehr werden die Leute dann vielleicht kopfschüttelnd denken: „Ich kann nicht glauben, dass er das gerade gesagt hat“, aber sie werden bestimmt nicht mit Gedanken wie „Wir sollten weniger Papier verbrauchen, das ist schlecht für die Umwelt“ nach Hause gehen. Bei uns bekommen sie einen unterhaltsamen Abend geboten, der sie so etwas mal vergessen lässt.

Du würdest solche Sachen aber nicht auf der Bühne sagen?

JC: Nein, dazu hätte ich gar nicht die Eier. Danko hat mehr Eier als ich (lacht).

Stört es dich manchmal, dass die Aufmerksamkeit in eurer Band immer auf Danko liegt, obwohl ihr sie ja auch zusammen gegründet habt?

JC: Nein, gar nicht. Wir sind ja nicht nur Geschäftspartner in diesem Sinne, aber wir sind ja auch beste Freunde. Nach der Show lachen wir dann gemeinsam darüber und reden über Fernsehserien, Filme, Bücher, Musik. Wir tun also quasi genau das, was wir immer getan haben, seit wir uns kennengelernt haben (lacht). Deswegen machen wir wahrscheinlich auch immer weiter mit der Band, weil wir solche Musiknerds sind. Es geht immer nur: „Kennst du die Band? Hast du das schon gehört?“ Wir haben mal zusammen beim Radio gearbeitet, da fing das alles schon an. Es ist ein gutes Gefühl, immer wieder geflasht werden zu können. Bei Filmen und Büchern ist es das Gleiche, uns wird nie langweilig.

Auch wenn man nie alles lesen und sehen kann, was man möchte.

JC: Auf Tour haben wir schon eine Menge Zeit (lacht). Das ist auch das Gute daran. Unsere letzte Entdeckung: „Eastbound And Down“. Super!

Eine letzte, nicht ganz ernst gemeinte Frage, die ich euch schon immer stellen wollte: Wenn ihr trotz des sexgefüllten Rockstarlebens doch einmal einsam wärt und Kontaktanzeigen aufgeben würdet – was würde drin stehen?

JC: Ich weiß nicht, ob ich das tun würde...Aber okay. Bei Danko würde drin stehen: „Ich hasse die meisten Menschen. Die meisten Menschen langweilen mich. Wenn du mich nicht langweilst – melde dich.“ Bei unserem Drummer Dan (spricht mit schleimiger Aufreißerstimme): „Hey Baby! Ich mag Snowboarden und Tiefseetauchen. Melde dich!“ Und meine...hmm: „Wenn du kochen kannst und italienisches Essen magst, ruf mich an.“ Das ist meine Kontaktanzeige.

„Wenn du kochen kannst – ruf mich an“?

JC: Genau! (lacht). „Wenn du kochen und putzen kannst – ruf mich an!“

Was für die Frauenbewegung!

JC: Ja! (lacht) Sonst wäre meine Mom nicht glücklich. Also: „Wenn du kochen und putzen kannst, ruf mich an – meine Mom wäre sonst nicht glücklich.“

Dann wünsch ich dir viel Glück, falls du die Kontaktanzeige mal aufgibst – und danke für das Interview!

Photo: Pressefreigabe Revolver Promotion

Jan Martens

Lesen


Rezension zu "Fire Music" (2015)
Rezension zu "Rock And Roll Is Black And Blue" (2012)
Rezension zu "B-Sides" (2009)
Rezension zu "Never Too Loud" (2008)
Rezension zu "Sleep Is The Enemy" (2006)
Interview (2008)
Konzertbericht (2009)
Konzertbericht (2005)

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.