Konzertbericht

Danko Jones


Es wird Frühling. Die Tage werden langsam wieder heller und länger, Graspollen bereiten sich auf den nächsten Großangriff vor und die Supermarktketten überlegen sich, dass man ja bald schon wieder Schokoweihnachtsmänner ins Sortiment aufnehmen müsse. Seit einigen Jahren ein weiteres Merkmal dieser Jahreszeit: Danko Jones besuchen Hamburg.

An den ständig wechselnden Venues bemerkt man jedoch den Zuspruch, der den Kanadiern in den letzten Jahren immer mehr zuteil geworden ist. Nachdem zuerst in der Kleinraumsauna Logo gespielt wurde, wurde von 2004 bis 2006 die Fabrik in Altona immer mehr gefüllt und 2008 schließlich das Grünspan ausverkauft - die 2007-Lücke in der Aufzählung ist dem Umstand geschuldet, dass Danko Jones mit ihrem im allgemeinen eher zwiespaltig aufgenommenen Viertwerk "Sleep Is The Enemy" endlich auch in den USA auf Aufmerksamkeit stießen. Jetzt schreiben wir 2009, der diesmalige, nicht ausverkaufte, aber doch recht gut gefüllte Schauplatz des Spektakels: Die Große Freiheit 36.

Und auch wenn man über die parallel zur Größe der Location steigenden Preise murren kann: Man muss den Kanadiern lassen, dass sie dem zahlenden Gast auch in Sachen Vorband stets etwas für's Geld bieten. Waren zuvor bereits Bands wie The Bronx oder Brant Bjork Support gewesen, kam diese Rolle nun - neben einer dank dicken Sponsorings per Talentcontest ermittelten, ordentlichen, aber das Rock'n-Roll-Rad nicht neu erfindenden ersten Band namens Moorange - einem skandinavischen Punkrockurgestein zu: Den Backyard Babies. Das Gehüpfe und Gespringe in den ersten Reihen lassen vermuten, dass diese bei so manchem kein kleiner Grund für den Ticketkauf gewesen sein könnten; und nach einer überzeugenden Show, einem - Achtung, Schlagerrhetorik! - Potpourri ihrer größten Erfolge und natürlich dem obligatorischen "Look At You" zum Schluss dürften sich die Schweden - ungeachtet des Titels ihres vielleicht bekanntesten Albums "Making Enemies Is Good" - zumindest keine Feinde gemacht haben. Wie "Punkrock" es ist, eine band-eigene Sneaker-Collection zu haben, mag zwar dahingestellt sein, aber naja.

Abstruse Merchandise-Items - von sexy Schlüppern für die Ladies mal abgesehen - brauchen Danko Jones dann nicht. Ebenso wenig brauche man - wie Mr. Jones frühzeitig in einer seiner wie üblich nicht immer kurz gefassten Ansagen klarstellt - im Gegensatz zu so manch anderer Band weder Pyrotechnik, Schminke oder Verkleidungen, sondern nur vier kleine Wörter: ONE TWO THREE FOUR! Und genau so eindeutig geht's dann auch mit "The Rules" - Opener der aktuellen B-Sides-Collection - los: "I'm not gonna stop until you're satisfied."

Allzuviele Lieder dieser Raritätensammlung folgen jedoch nicht, stattdessen gibt es einen Querschnitt durch das komplette Werk der Kanadier, in dem auch das immer noch aktuelle "Never Too Loud" keine außergewöhnlich dominante Position einnimmt. So wird dann auch schnell deutlich, wieviele Hits sich eigentlich auf den einzelnen Alben tummeln: Play The Blues - bam! Forget My Name - zack! First Date - bang! Garniert werden die Songs von typisch selbstherrlichen Ansagen, die zwar manchen zum "Shut up and play"-Gebrummel bewegen mögen, jedoch immer wieder neu und witzig und damit auch ein Grund sind, warum der Rezensent die Kanadier mittlerweile immerhin 12mal live gesehen hat.

Nach knapp 70 Minuten jedoch ein altbekannter Abschluss: "Mountain", das nur live gespielt wird und seit Jahren Danko-Jones-Shows abschließt, der Tribut der Band an verstorbene Größen des Rock'n'Roll: Mr. Johnny Cash, Mr. Dimebag Darrell, Mr. James Brown. Trotz aller Abwechslung in Setlists und Ansagen hoffen wir, dass sich zumindest diese Liste in absehbarer Zeit nicht verändert beziehungsweise verlängert haben wird, wenn die Kanadier das nächste Mal Hamburg beehren. Frühling 2010 dann hoffentlich, spätestens. Ausverkauftes Docks, anyone?

Jan Martens

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