Rezension

Wanda

Bussi


Highlights: Meine Beiden Schwestern // Lieber Dann Als Wann // Das Wär Schön // Andi Und Die Spanischen Frauen
Genre: Austro-Pop // Rock
Sounds Like: Falco // Oasis // Ja, Panik

VÖ: 02.10.2015

Wanda sind so ein bisschen wie ein glühendes Stück Eisen. Soll man auf zweiterem herumkloppen, solange es noch heiß ist, muss man von ersteren natürlich so viel wie möglich präsentieren, solange Bologna noch im Indiekosmos als Stadt der Liebe verortet ist, solange man sich noch für Marco Michael Wandas österreichischen Schmäh begeistert und dafür interessiert, dass er eigentlich Fitzthum mit Nachnamen heißt, solange....naja, solange sie eben noch heiß sind, genau wie das Eisen. So erscheint ein knappes Jahr nach dem Debüt bereits „Bussi“, Album #3 ist angeblich auch so gut wie fertig. Amore overkill?

Aber Achtung: auch die Songs von „Bussi“ standen schon seit einiger Zeit in der Pipeline, sind also kein Produkt des Amore-Hypes und dementsprechend den Songs ähnlich, ohne als Selbstplagiat gewertet werden zu können. Auch wenn sie manchmal geradezu danach schreien, wenn das lyrische Ich beispielsweise in „Nimm Sie Wenn Du's Brauchst“ mal wieder auf der Suche nach Beischlaf in Bologna herumgurkt, mal wieder trotz Sehnsucht nach Berlin in Wien gestorben werden muss („Bussi Baby“) und sich Amore, das Schlagwort aller Wanda'schen Schlagwörter, wohl nur in den Refrain von „Alarm“ verirrt, weil dort zufällig noch drei Silben frei waren.

Da kann man nun natürlich ein Album in B-Seiten-Qualität befürchten, vor allem, wenn man die etwas plumpen „1, 2, 3, 4“ und „Bussi, Baby“ als Live- beziehungsweise Singlevorboten präsentiert bekommt. „Bussi“ bleibt jedoch weitestgehend auf dem hohen Niveau von „Amore“, mit dem Unterschied, keinen zweiten Übersong wie „Bologna“ zu stellen – ob das jetzt Vorteil oder Nachteil ist, bleibt jedem selbst überlassen. Stattdessen trotzt die eine oder andere neue Nuance dem Stillstand – das noch schmatzendere Bussi für den Schlager in „Das Wär Schön“ oder immer mehr Akustikgitarren gegen Ende des Albums.

Insofern ist „Bussi“ eigentlich ein Nachfolger eines Hype-Albums, wie er sein sollte – gut, aber nicht aufdringlich, der nicht durch allzu große Kehrtwenden von Bekanntem abschreckt, aber auch nicht durch Selbstkopien einschläfert. Wanda bleiben sie selbst. Auch, wenn sie sich nicht entscheiden können, ob das jetzt gut ist (Siehe „Andi Und Die Spanischen Frauen“) oder nicht („Lieber Dann Als Wann“). Vielleicht haben sie sich ja zu Album #3 diesbezüglich entschieden. Und wenn das Eisen so heiß bleibt, wird das auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Jan Martens

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Video zu "Bussi, Baby"

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