Rezension

The Wedding Present

Valentina


Highlights: The Girl From The DDR // Deer Caught In The Headlights // Mystery Date
Genre: Indie Rock // C-86 // Twee Pop
Sounds Like: Cinerama // The Pastels // Television Personalities

VÖ: 16.03.2012

1986 veröffentlicht der NME das legendäre Mixtape C86 (von Cassette 86) und versammelt damit die Bands, die heute als Blauphase des Twee- und klassischen Indie-Pop angesehen werden. Nur drei konnten dem Dasein als Eintagsfliege entkommen: The Pastels, Primal Scream und The Wedding Present. Mit acht Veröffentlichungen in 25 Jahren gehören letztere zwar nicht zu den fleißigsten, dafür aber zu den umso geliebteren Bienchen ihres Fachs.

„Valentina“ ist das dritte Album nach der längeren Pause und ein erneuter kreativer Rückzug. War das Comeback-Album „Take Fountain“ 2005 durch atmosphärische Tiefe und eine ausschweifende Instrumentierung ein überraschendes, weiterdenkendes Album, hat sich die Band auf dem Nachfolger „El Rey“ zurück in die Neunziger geschrumpft. Auch „Valentina“ verfolgt diese Entwicklung und beschwört den Geist der großen Klassiker „Seamonsters“ und „Bizarro“. Kaum überraschend, dass auch diese Band auf den Reenactment-Zug aufgesprungen ist und auf ihrer kommenden Tournee ihr 1991er Meisterwerk „Seamonsters“ in kompletter Länge aufführt. Ergänzt wird diese Aufführung von neuen Songs – vierzig weiteren Minuten Musik, wie die Band ihre rezente Geschichte selbstironisch abtut.

„Valentina“ möchte also „Seamonsters“ sein und scheitert natürlich daran. Andrew Scheps hat durchaus die DNA des Erfolgs der großen, scheppernden Produktionen durch Steve Albini entschlüsselt, allerdings ist der Starproducer von Bands wie Metallica, Audioslave oder anderen Abscheulichkeiten zu sehr auf Erfolg gepolt, um ein raueres und damit authentischeres Klangbild zuzulassen. Die Songs besitzen also weder die emotionale Tiefe von „Take Fountain“ noch die brachiale Durchschlagkraft der Klassiker.

Doch selbst ein mittelmäßiges Album von The Wedding Present geht immer noch in Ordnung. Nicht alles auf „Valentina“ ist misslungen. Die schöne Ballade „The Girl From The DDR“ über flüchtige Liebe, in der die neue Bassistin Pepe le Moko David Gedge auf Deutsch antwortet, ist zuckersüß und zeigt, dass das Deutsche auch jenseits von rollenden Rs und martialischem Gebelle als Gesangssprache funktioniert. Obwohl das Album dann doch noch am Schluss mit „Deer Caught In The Headlights“ und dem hervorragenden Schlusslied „Mystery Date“, welches als einziges wirklich an die Klassiker heranreicht, mächtig anzieht und vor der kompletten Belanglosigkeit bewahrt, bleibt ein schaler Nachgeschmack. Auf eine C12 gehören mittlerweile doch andere Bands.

Yves Weber

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