Rezension

The Rumour Said Fire

Dead Ends


Highlights: Sleep // Voyager // Dead Leaves
Genre: Dream-Folk // Pop
Sounds Like: Peter Sommer // I Got You On Tape

VÖ: 05.04.2013

Die 80er erscheinen mitunter als pastellfarbenes Federbett der hochgeföhnten Schulterpolster, grellgeschminkten Freakshows und mit scheinbar wenig Tiefgang. Dass dieses Klischee tatsächlich nur als Vorurteil betrachtet werden sollte, beweisen etwa Songs wie „I Don't Like Mondays“ von den Boomtown Rats, der zu einer belanglos-fröhlichen Melodie eine verstörend ernsthafte Geschichte erzählt. Genau diese Ambivalenz aus farbenfrohem Glittereinerlei und Themen zwischen Morbidität, Verzweiflung und Schmerz sind es, die das Profil der 80er Popkultur bestimmen.

An diesem Dualismus orientierten sich offensichtlich The Rumour Said Fire beim Schreiben ihres neuen Albums „Dead Ends“. Bereits das Cover präsentiert sich als lila-türkiser Farbrausch, der alles durchdringend einen erschreckend tot wirkenden Herren mit der Physiognomie eines Stefan George unterlegt.

Der großflächige Sound fährt ebenfalls auf dieser Milchstraße: ambitionierte Melodien, die nicht im geringsten an Reduktion denken, triefen vor Instrumentenreichtum und werden von einer gehörigen Portion Sternenstaub getoppt. Auf diesen Hintergrund singt Lidang mit seiner herrlich glasklaren Stimme kryptische Verse wie „All we want is pure death. All we want is pure.“

Man merkt der Arbeit der vier Dänen an, dass sie nach einer erfolgreichen EP und dem sehr schnell daran angeschlossenen Debüt endlich in die künstlerischen Vollen gehen durften. Zeit, Geld und kreative Freiheit lassen die Jungs hier nach den großen Sternen greifen. Daher geben diese sich nicht nur texturreichen Harmonien hin, sondern auch Instrumentalspielereien, wie etwa Nocture IV und V. Der akustisch gehaltene Folk der Vorgängerplatten erfährt hierbei eine Erweiterung. Die basalen Elemente aus runden Melodien und hellen Stimmen bleiben jedoch erhalten.

„Dead Ends“ nimmt Platz ein mit seinem schmalen Grat aus Trauer und Freude, Schönheit und Dunkelheit, Schmerz und Hoffnung. Eben die 80er, interpretiert von The Rumour Said Fire: läuft leicht rein, bleibt im Kopf, weiß zu überraschen und ist vor allem eine hübsch arrangierte, sehr stimmige Platte.

Silvia Silko

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Offizielles Video zu "Voyager"

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