Rezension

The Felice Brothers

Favorite Waitress


Highlights: Cherry Licorice // Lion // Katie Cruel // No Trouble
Genre: Americana
Sounds Like: The Band // Wilco // The Avett Brothers

VÖ: 13.06.2014

Ob die Felice Brothers das mit der „Favorite Waitress“ wirklich so gemeint haben? So vergleicht Rough Trade die Band anhand deren neuen Albumtitels gleich einmal mit der Lieblingskellnerin, die einem sogleich ohne großes Aufheben genau das liefert, was man für gewöhnlich haben möchte. Wenn diese Analogie stimmt, war diese Servicekraft auf dem Vorgänger „Celebration, Florida“ wahrscheinlich gerade im Urlaub. Auf „Favorite Waitress“ steuert sie nun wieder der „Mitarbeiter des Monats“-Auszeichnung entgegen.

Ach ja, „Celebration, Florida“: düster, überraschend elektronisch angehaucht und ganz allgemein einen Schritt weg vom ausgelassenen Scheunenfolk der Band in Richtung spießiges Erwachsensein. Diesen gehen die Felice Brothers sofort wieder zurück, wenn sie in einem der euphorisch rockenden, fröhlich fiedelnden Highlights von „Favorite Waitress“ ankündigen, sich nur noch von „Cherry Licorice“ ernähren zu wollen. Auch die verträumten „Saturday Night“ oder „Meadow Of A Dream“ sind in ihrer Essenz eher Realitätsflucht als Reifung.

Nur den Luxus eines Studios gönnten sich die Felice Brothers diesmal doch, anstatt wieder im nächstbesten Hühnerstall aufzunehmen. Und die Spielfreude der Band wird dadurch auch nicht geschmälert, dass ihr diesmal ein gehöriges Maß Feinschliff hinzugefügt wird, so dass der Opener „Bird On Broken Wing“ wie zufällig mit einem leisen Hundegebell beginnen darf oder „Woman Next Door“ den Lautstärkeregler fast schon in Wilco-Manier bis auf Anschlag dreht. Ja, hier weiß die Lieblingskellnerin immer noch, was der Kunde wünscht – nur dass sie diesmal bei der Garnitur ein paar neue Ideen ausprobiert. Für beides hat sie eigentlich ein gehöriges Trinkgeld verdient.

Jan Martens

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