Rezension
The Dresden Dolls
The Dresden Dolls
Highlights: Girl Anachronism // Half Jack
Genre: Alternative
Sounds Like: Marlene Dietrich // Kaizers Orchestra // Marilyn Manson // Nick Cave
VÖ: 06.09.2004
Wir erinnern uns kurz eineinhalb Jahre zurück. Marilyn Manson wirft "The Golden Age Of Grotesque" auf den Markt. Seine Hommage an das Vaudeville-Theater, inspiriert vom Berlin der 20'er und 30'er Jahre. Was Manson mit den dazugehörigen Fotos von Helnwein und der Kirmesorgel die sich durch das gesamte Album im Hintergrund leiert nur andeutet, ist bei den Dresden Dolls konsequent durchgezogen.
Das Duo aus Boston, das sich auf einer Halloweenparty kennenlernte, inszeniert sich als Gesamtkunstwerk. Wer im Plattenladen durch das Booklet blättert, wird das Album vielleicht etwas irritiert gleich wieder weglegen. Das Duo zeigt sich auf den Fotos weißgeschminkt wie Clowns, in schwarz-weißen Strapsen und aufgerissenen Hemden. Kriegsruinen, Vorhänge und Sternenhimmel bilden das Layout drumherum.
Die Musik besteht nur aus Klavier und Schlagzeug. Klassik und Moderne. Während Amanda Palmers Klavierspiel die Zeit zurück dreht und die Referenz zu Bertolt Brecht, Kurt Weill und altdeutschem Kabarett schlägt, poltert Brian Viglione mit seinem Schlagzeug in die Melodie als wolle er den Mob in einem Rockclub rocken.
Mit "Good Day" beginnt die Aufführung. Sie wirft sich gleich in die Wogen, er holt sie ab. "Girl Anachronism" ist ein Bastard von einem Song. Er poltert nur so durch die Gehörgänge. Klavier und Schlagzeug treiben wie unaufhaltsam durch die Nacht. Vor allem in "Coin Operated Boy" wird das wundervolle Wechselspiel zwischen den beiden deutlich. Palmer verliert sich in der Melodie, nimmt aus dem Song alles Tempo, spielt mit ihm, bevor Viglione ihn wieder zurück ihn die Bahn trägt. Das Klavier jagt dem Schlagzeug hinterher. Er gibt auf, sie jauchzt. So geht es das gesamte Album. Sie wälzt sich in Verzweiflung und Verderben. Weint und spielt das große Drama. Er rollt die Augen und folgt ihr. Dabei setzen beide die irrsten Wechsel und Breaks, die seit langem auf Platte zu hören waren.
Die Musik der Dresden Dolls hat Charakter. Die Performance reisst mit. Dies ist die Mischung aus Klassik und nicht hörbarer, aber vorhandenen Moderne. Und das ist hier und jetzt großartig. Man sollte sich auf dieses Experiment einlassen.
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