Rezension

Shabazz Palaces

Quazarz: Born On A Gangster Star / Quazarz Vs The Jealous Machines


Highlights: Shine A Light // Moon Whip Quäz // Julian's Dream (Ode To A Bad) // Late Night Phone Calls
Genre: Hip Hop // Experimental
Sounds Like: Clipping. // Flying Lotus // Gonjasufi

VÖ: 14.07.2017

Okay... Für die beiden neuen Alben (kein Doppel-Album) der Shabazz Palaces muss man wieder ganz weit über den eigenen Horizont hinaus denken – und hören. Ishmael Butler aka Palaceer Lazaro, Kopf des Duos, schlüpft darin in die Rolle von Quazarz: ein außerirdisches Wesen, welches die Erde (genauer gesagt Amerika) analysiert und zu dem Schluss kommt, dass wir alle ziemlich am Arsch sind. Kapitalismus, digitaler Wahn und Oberflächlichkeit, wohin man blickt. Nicht gerade eine erbauliche Entdeckungsreise. Dafür haben Butler und sein Partner Tendai Maraire einen schier unendlichen Fundus an Soundscapes als Gastgeschenk mitgebracht. Ein Mindfuck sondergleichen.

Doch der Reihe nach: „Quazarz: Born On A Gangster Star“ heißt der erste Teil und bereits der macht es einem alles andere als leicht. Elf Songs, die unterschiedlicher nicht sein könnten und auf den ersten Blick keinerlei Zusammenhang offenbaren. Außer dem Textlichen natürlich. Quazarz kommt auf der Erde an. Soundtechnisch aber ein heilloses Durcheinander: Zerhackte Beats, Warpsynths, verhallte Voicelines... Schwere Kost. In der musikalischen Trümmerwüste lassen sich dennoch einige Schätze bergen. „Shine A Light“ mit seinem 60s-Soul-Sample wirkt mit seiner erfrischenden Einfachheit wie eine rettende Oase. Und auch „Moon Whip Quäz“ weiß trotz ziemlich dreister „Das Model“-Referenz zu überzeugen. Insgesamt ist Teil Eins der Saga aber viel zu versponnen, um irgendwie einigermaßen greifbar zu sein.

Deutlich besser und anders sieht es bei „Quazarz Vs The Jealous Machines“ aus. Shabazz Palaces greifen hier auf bewährte Stärken zurück. Futuristische Beats bilden die Grundlage für Butlers abstrakte Raps, deren Aussage aber zumindest einigermaßen klar ist. Gewalt („Welcome To Quazarz“), Technologie („The SS Quintessence“) und Werteverfall („Love In The Time Of Kanye“) dominieren das Weltbild von Quazarz. Und auch die Hip-Hop-Industrie bekommt ihr Fett weg („30 Clip Extension“). Vor allen Dingen der Sound macht aber die Stärke der zweiten Platte aus. Ins Mark gehende Tiefen, crispe Drum-Loops und Synthesizer, die wirklich nicht von dieser Welt sind.

Ob man das nun letztendlich Space Hop, Psychedelic Rap oder was auch immer nennt, ist dann auch egal. So klingt die Zukunft. Und die sieht eben auch so aus, dass man als Künstler seine zig tausend Ideen nicht einfach kanalisiert und sie geordnet serviert. Das soll bitteschön jeder Hörer selbst übernehmen. Music Fast Food überlassen Shabazz Palaces weiterhin anderen und zementieren mit ihrem Konzept-Epos ihre Rolle als eine der weirdesten, aber auch ambitioniertesten Combos.

Benjamin Köhler

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