Rezension

Rufus Wainwright

Release The Stars


Highlights: Do I Disappoint You? // Going To A Town // Tulsa
Genre: Singer/Songwriter // Orchester-Pop
Sounds Like: Duke Special // Jeff Buckley // Ed Harcourt // Antony & The Johnsons

VÖ: 01.06.2007

Vor vier Jahren kannte ihn noch kaum jemand. Der "Gay Messiah" erreichte erst mit dem Erscheinen seines vierten Studioalbums "Want Two", dem zweiten und letzten der "Want"-Alben, den Status eines der bedeutendsten Singer/Songwriters des 21. Jahrhunderts. Wer Wainwright kennt - und das dürfte der Mehrheit so gehen - weiß, dass es sich bei ihm keinesfalls "nur" um einem Jungen mit 'ner Gitarre handelt. Orchester, Pathos, Oper und die unverkennbaren Messgesänge zeichnen den Sohn des Folk-Musik Ehepaars Kate McGarrigle und Loudon Wainwright III auch auf seinem fünften Studioalbum "Release The Stars" aus.

"I'm going to a town that has already been burned down, I'm going to a place that is already been disgraced, I'm gonna see some folks who have already been let down. I'm so tired of America." - so lauten die ersten Zeilen des 1000-Tränen-traurigen "Going To A Town", das sicherlich zu den besten Liedern des Albums gehört. Trotz der - seit dem selbstbetitelten Debüt 1998 - gewohnt breiten Instrumentialisierung, verspürt man eine Intimität, wie bei kaum einem anderen Wainwright-Stück. Lieder, wie dieses, dem Eröffnungsstück, oder dem folgenden "Tiergarten", zeigen ganz genau, was sich seit "Want Two" getan hat. Zugänglicher, freundlicher und insgesamt auch ein ganzes Stück weniger melancholisch gibt sich der Romantiker. Ja, Rufus Wainwright hat mit seinem neuestem Streich eine der schönsten CDs für die Stunden zu zweit seit Lambchops großartigem "Is A Woman" geschaffen. Was für Szenen sich beim pathetischen Ausbruch von "Slideshow", dem längsten der Lieder, abspielen würden, führe ich an dieser Stelle lieber nicht weiter aus.

Beim Durchhören von "Release The Stars" fällt einem mal wieder auf, dass es kein Wunder ist, dass Wainwrights Balladen in geschätzt fünf Hollywood-Streifen pro Jahr auftauchen. Ob eine Cover-Version des Buckley-Klassikers "Hallelujah" (jaja, ich weiß, Buckley hat auch nur gecovert) für "Shrek 2" oder gar ganzen schauspielerischen Einlagen im mehrfach Oscar-prämierten "Aviator" - die Musik ist für den Film wie geschaffen. So kann man sich zu den zwölf neuesten Stücken besser als bei jedem anderen Release des Jahres verzweifelte Männer im Regen, Familien beim Spielen im Schnee oder unendlich schöne Traumhochzeiten vorstellen; immer friedlich.

Zwei Dinge lassen sich festhalten: 1.) Es ist sicher kein absolutes Meisterwerk wie "Want Two". 2.) Es gehört zu den zehn schönsten Alben des ersten Halbjahres 2007. Mehr muss man, denke ich, nicht sagen.

Paul Weinreich

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