Rezension

Rufus Wainwright

Out Of The Game


Highlights: Montauk // Candles // Sometimes You Need
Genre: Pop
Sounds Like: David Bowie // Elton John // Sparks // Randy Newman // Fleetwood Mac // Queen

VÖ: 13.04.2012

Chip und Chap, Harry und Sally, Starsky und Hutch, Netzer und Delling – unzertrennliche Namen, die ohne das dazugehörige Pendent sicherlich nur halb so gut wären. Auch in der Musik gibt es Künstler, mit denen man sofort immer einen weiteren verbindet: Paul Simon und Art Garfunkel zum Beispiel oder Sonny und Cher, Johnny Cash und June Carter oder auch John Lennon und Yoko Ono.

Bislang eher alleine stand dagegen der amerikanische Songwriter Rufus Wainwright da. Zwar kommen einem bei ihm gleichwohl Namen wie Martha Wainwright oder Leonard Cohen in den Sinn, doch von unzertrennlichen Paaren kann hier wohl eher nicht die Rede sein. An diesem Umstand, eher alleine Musik zu machen, soll sich dagegen nun mit “Out Of The Game“, dem mittlerweile siebten Studioalbum des Sohnes des Folk-Musik Ehepaars Kate McGarrigle und Loudon Wainwright III, etwas ändern.

Hierfür holte sich Wainwright nämlich keinen Geringeren als Mega-Produzent Marc Ronson ins Boot, der schon für so manchen musikalischen Erguss von Amy Winehouse, Adele oder Robbie Williams verantwortlich war. Herausgekommen ist, was man in Anbetracht dieser Konstellation erwarten konnte: ein Popalbum aller erster Klasse. Die damit verbundene Furcht, beim Hören des Albums etwa Parallelen zu einem Robbie Williams oder einer Amy Winehouse entdecken zu müssen, ist glücklicherweise unbegründet. Vielmehr versetzt einen “Out Of The Game“ zurück in den Sound der 70er und 80er Jahre, als die Musik von Elton John, Queen oder David Bowie noch die Popcharts prägte.

Vielseitige Instrumentierungen, angefangen bei so basslastigen Funkstücken wie „Jericho“, über tanzbare Discostücke wie „Rashida“ oder das etwas nach den Beatles klingende „Welcome To The Ball“ lassen das Album wiedermal sehr vielseitig wirken und geben ihm letztendlich den besagten Pop-Touch. Unterstützt wird Rufus neben Marc Ronson dabei erneut von einer Vielzahl an Gastmusikern, wie seiner Schwester Martha Wainwright, Sean Lennon, Nels Cline von Wilco oder Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs.

Inhaltlich bleibt Rufus Wainwright dagegen in der Neuzeit – so prägen vor allem Ereignisse wie die Geburt seiner Tochter Viva oder der Tod seiner Mutter Kate McGarrigle das Songwriting auf diesem Album. Untermalt mit einem klassischen Klavier beschreibt der selbsternannte “Gay Messias“ so beispielsweise in dem Stück „Montauk“ sehr tiefsinnig und herzlich seine Angst davor, dass seine Tochter Probleme haben könnte, Kind eines schwulen Vaters zu sein: „One day you will come to Montauk / And you will see your dad wearing a kimono / And see your other dad pruning roses / Hope you won’t turn around and go.“

Mit dem Song „Respectable Dive“ rückt das Thema Homosexualität dann weiter in den Mittelpunkt, wenn Rufus über die Schwierigkeit singt, eine langjährige Beziehung zu seinem Lebensgefährten Jorn Weissbrodt zu führen. Neben diesen Hindernissen und Schwierigkeiten einer Beziehung singt Wainwright dann aber auch noch über die andere, schöne Seite der Liebe und widmet das Stück „A Song Of You“ und die Worte „So you want a song / A song just for you / There are many melodies to choose from but there’s only one of you“ ebenfalls seinem zukünftigen Ehemann.

Das große Finale des Albums liefert der Song „Candles“, ein fast achtminütiger, pathetischer Folkepos, in dem Wainwright, untermalt von Klavier, Akkordeon und Dudelsack, sehr emotional und einfühlsam über den Tod seiner verstorbenen Mutter singt, und mit Zeilen wie „It’s always just that little bit more / That doesn’t get you what you’re looking for / But gets you where you need to go / But the churches have run out of candles“ dem Album nochmals eine ganz persönliche Note verpasst.

So ist mit „Out Of The Game“ letztendlich ein Album entstanden, das trotz allem Positivem letzten Endes ein bisschen an den Münsteraner Tatort erinnert: Der hat mit Thiel und Boerne zwar ebenfalls ein unzertrennliches Weltklasseduo in seinen Reihen, doch fehlt am Ende immer wieder der letzte Schritt, um alle Zuschauer für sich zu gewinnen. Und so fehlt auch dem neuen musikalischen Duo Wainwright und Ronson am Ende nicht viel, aber eben doch ein bisschen, um den Pop-Olymp letztendlich vollständig zu erobern – so wie einst eben ein Elton John oder ein David Bowie. Für wunderbare Unterhaltung reicht es jedoch allemal.

Benjamin Schneider

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Der Titelsong des Albums im Stream

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