Rezension
PJ Harvey
Uh Uh Her
Highlights: The Slow Drug // Shame
Genre: Folk-Alternative-Rock
Sounds Like: Patti Smith // Melissa Auf Der Maur
VÖ: 21.06.2004
Was wirft uns Polly einen so kritischen Blick aus dem Autofenster zu? Ist sie sich unsicher, ob die Qualität ihres aktuellen Albums „Uh Huh Her“ ausreicht, um die vorbeigehende Menschenmenge zu befriedigen? Nachdem das zuletzt veröffentlichte „Stories From The City…“ mit seiner eingängigen Opulenz dem Mainstream zu verfallen drohte, besinnt sich die vierunddreißigjährige Engländerin nun wieder auf alte Stärken und zelebriert bluesseligen Folkrock der sperrigen Art. Die düstere Atmosphäre erinnert dabei stark an ihren großartigen Erstling „Dry“ aus dem Jahre 1992. Das musikalische Allroundtalent spielte, bis auf die Schlagzeugparts, alle Instrumente eigenhändig ein, was dem Album eine höchst intime Note verleiht. Ihre Texte beinhalten mehrere Ebenen des Unglücklichseins in zwischenmenschlichen Beziehungen und lassen durch ihre präzisen und ausdrucksstarken Ausführungen darauf deuten, dass sie in einem autobiographischen Hintergrund stehen („I'm not like other girls. You can't straighten my curls. Who the fuck do you think you are?"). Sie lässt zudem Raum für den Hörer seine eigenen Interpretationen einzufügen, was dazu führt, dass eben dieser sich mit den zutreffenden Textstellen besser zu identifizieren weiß. PJ Harvey schippert durch ruhige Passagen wie etwa „The Darker Days Of Me & Him“ oder „The Slow Drug“, scheut aber vor stürmischen Riffattacken in „Who The Fuck?“ und „The Letter“ nicht zurück. Dabei säuselt, haucht und flüstert sie in ihrer bekannt einnehmenden Art und schreit sich in gegebenen Momenten den Frust von der Seele. Polly, du kannst dich also entspannt auf deinem Beifahrersitz zurücklehnen, denn die Passanten werfen dir nur liebenswürdig anerkennende Blicke zu. Du konntest sie allesamt mit deinem einnehmenden und stets glaubwürdigen Auftreten für dich gewinnen.
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