Rezension

Phoenix

Bankrupt!


Highlights: Entertainment // Don't // Oblique City
Genre: Pop
Sounds Like: Zoot Woman // Air

VÖ: 19.04.2013

Das ist ja mal wieder typisch. Kaum traut sich die Sonne einmal hervor und weit und breit erwachen Groß und Klein aus ihrer Winterstarre, veröffentlichen Phoenix ihr neues Album. Haben die einfach gewartet, bis der graue Schmuddelfrühling seine Siebensachen gepackt hat und die Leute wieder so richtig Lust auf sommerhafte Tanzmusik haben? Die alten Schlawiner!

Ganze vier Jahre haben sich die Franzosen Zeit gelassen, um an einen Nachfolger für ihr Erfolgsalbum "Wolfgang Amadeus Pheonix" zu arbeiten. Das war sicher nicht ungeschickt, denn so hat der um die Band entstandene Hype Zeit gehabt, sich zu legen. Die Erwartungen an "Bankrupt!" sind mit der Zeit glücklicherweise nicht ins Unendliche gestiegen, sondern haben sich stattdessen eher gelegt, was dem neuen Album entgegenkommt. Nicht, dass "Bankrupt!" tatsächlich eine Bankrotterklärung wäre. Aber an "Wolfgang Amadeus Phoenix" kommt es auch bei weitem nicht heran. Dass sich die Gold- und Platinauszeichnung höchstwahrscheinlich nicht wiederholen werden, ist der Band anscheinend bewusst, wenn öffentlich erklärt wird, "Bankrupt!" sei der Triumph, das Versagen zu akzeptieren. Hier wird natürlich galant tiefgestapelt, aber es stimmt schon, dass man nach den großen Hits, die einem auf dem Vorgängeralbum noch alle paar Minuten in die Gehörgänge gesprungen sind, hier etwas länger suchen muss. Liedern mit dem Format von "Lisztomania" wird man allerdings nicht finden.

Es sind an sich meist alle typischen Elemente für einen guten Phoenixsong vorhanden: Einfache Texte, repetitive Refrains, Rhythmen, die direkt in die Füße gehen. Dazu gibt es diesmal noch eine Extraportion Keyboards. Somit wären eigentlich alle Inhaltsstoffe für eine gefällige Sommerplatte mit dazugehörigem Hit vorhanden – aber leider kommen sie nicht so richtig zusammen. Die Ausnahme bildet hier "Oblique City", das sich ganz am Ende des Albums versteckt hat. Aber auch zu den meisten der restlichen Lieder lässt es sich hervorragend in der Sonne tänzeln. Man kann sich verträumt um die eigene Achse drehen, die Arme durch die Luft gleiten lassen und gelegentlich den gestreckten Zeigefinger in die Luft recken. Man kann solange "You can't cross the line / but you can't stop trying" wiederholen, bis der Refrain einsetzt. Aber ob man sich in einem Jahr noch an diese Platte erinnern wird, ist fraglich. Dass Phoenix gerne in seichte Popgefilde abschweifen, ist nicht neu. Dass sie von Zeit zu Zeit der Grenze zur Belanglosigkeit gefährlich nahe kommen, auch nicht. Trotzdem (oder gerade deshalb?) macht ihre Musik immer wieder Spaß. Zumindest so lange, bis die nächste Band mit einem eingängigeren Ohrwurm vorbeikommt.

Lisa Dücker

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