Rezension

Lord Huron

Vide Noir


Highlights: Never Ever // Ancient Names (Part I und II) // The Balancer's Eye
Genre: Indie // Folk
Sounds Like: Fleet Foxes // Bon Iver // Local Natives // Yeasayer

VÖ: 20.04.2018

Die abenteuerliche Reise von Lord Huron geht in die nächste Runde. Nach ihrem großartigen Debüt „Lonesome Dreams“ und dem dagegen doch eher lahmen Aufguss „Strange Trails“ wagt sich die Band aus Michigan mit ihrem dritten Album „Vide Noir“ in neue Gefilde vor. Wurden die bisherigen Singleauskopplungen eher mit niedlich-nostalgischen Abenteuervideos untermalt, wird es mit „Vide Noir“ etwas mystischer und undurchsichtiger, auch das Albumcover wird nicht von Bilderbuchhelden geziert, die durch die Landschaft streifen, sondern von kühlen geometrischen Formen. Doch äußert sich dies nun auch musikalisch? Ganz so drastisch, wie man denken mag, ist der Wandel der Band um Ben Schneider tatsächlich nicht, doch bringt ihr neues Album eine angenehme Frische mit sich.

Während die ins Album einstimmende Folk-Ballade „Lost In Time And Space“ schön, aber unspektakulär klingt, zeigt sich erst im Laufe des Albums, dass Lord Huron neue Elemente in ihren Sound mit einfließen lassen. In „Never Ever“ und „Ancient Names (Part I)“ treten E-Gitarren in den Vordergrund und der Bass hämmert durchdringend, man fühlt sich fast an Arcade Fire und The Flaming Lips erinnert. „Back From The Edge“ zeigt sich Synthie-Klängen nicht abgeneigt und „When The Night Is Over“ hat schon einen fast jazzigen Groove. Das Schöne daran ist aber, dass „Vide Noir“ in keinem Moment zerfahren klingt, sondern immer die der Band eigene Handschrift durchklingt, sei es durch den geschickten Einsatz orientalischer Einflüsse oder die für Lord Huron typischen Weltmusik-Rhythmen.

Auch wenn „Vide Noir“ in seiner Gesamtheit vielleicht ein bisschen kompakter sein könnte, gibt es am neuen Album von Lord Huron sonst wenig auszusetzen. Es ist vielseitig, ambitioniert, unglaublich sorgfältig arrangiert und voll von feinen Details, die man erst nach und nach wahrnimmt. Es ist schön zu hören, wie sich Lord Huron auf der Basis dessen, was sie mit ihrem bisherigen Output etabliert haben, ein Stückchen weiter wagen und den assoziativen Kosmos rund um ihre Abenteuergeschichten sich organisch weiter entfalten lassen, ohne dass das Ganze seltsam wirkt.

Kilian Braungart

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