Rezension

King Gizzard & The Lizard Wizard

Infest The Rats' Nest


Highlights: Planet B // Organ Farmer
Genre: Trash-Metal
Sounds Like: Metallica // Motörhead

VÖ: 16.08.2019

Das Wichtigste vorab: Nein, diese Band, die ihr 15. Album in zwölf Jahren nur sechs Monate nach dem Vorgänger "Fishing For Fishies" veröffentlicht, ist nach wie vor nicht redundant, ermüdend oder gar zäh. Ganz im Gegenteil schafft es die australische Psychedelic-Garage-Weirdo-Band ein weiteres Mal, die Hörer*innen sprachlos zurück zu lassen, und zwar mit astreinem und richtig derbem Metal. Ja, genau: Metal. Und zwar ganz im Sinne von Metallica oder Slayer, inklusive schwindelerregenden Gitarrengewittern und einem Blastbeat, der den nächsten jagt. Nachdem die Psychrocker auf der letzten Platte durch bluesigen Boogie den Körper in Wallung brachten, wird dieser nun auf die Hörner genommen und in einem mehr als wilden Ritt einmal komplett auf links gedreht.

Wenn auf der Vorgängerplatte das Umwelt- und Gesellschaftsbewusstsein von Sänger Stu Mackenzie noch durch folkigen Blues Ausdruck verliehen wurde, schlägt es sich nun – dem Genre entsprechend – in apokalyptischen Zukunftsvisionen nieder. Die erste Hälfte der Platte kreist thematisch um den miserablen Zustand des Planeten, am offensichtlichsten ausgedrückt in "Planet B". Passend zur derzeitigen Situation um die Waldbrände in Südamerika mit der Zeile "There is no Planet B" und der daraus resultierenden Notwendigkeit, diesen zu verlassen. Und wohin? Ganz klar, zur Venus. Wohl die einzige Möglichkeit, die menschliche Spezies vor der Auslöschung zu bewahren.

Das neue Soundgewand kommt nicht von ungefähr, sondern ist nur eine Facette der Band, die sich bisher eher in ausufernden Hard-Rock-Jams und in Teilen auch schon auf dem 2017er Album "Murder Of The Universe" offenbarte. Erklären kann Stu dies mit seiner früh entdeckten Liebe zu Bands wie Rammstein und von da aus weiter zu Metallica, Slayer, Kreator und Sodom. Und gerade die Spät-80er-Thrash-Metal-Bands hinterlassen tiefe Spuren auf "Infest the Rats’ Nest". Aufgenommen wurde es von einer Minimalbesetzung bestehend aus Stu und Joe Walker, die sich Gitarren und Bass-Parts teilten, sowie einem der Drummer (Michael Cavanagh), während der Rest der eigentlich sieben-köpfigen Band mit anderen Bandprojekten, Vatersein oder dem hauseigenen Label Flightless beschäftigt waren (wo unter andrem Thee Oh Sees und Amy And The Snifflers veröffentlichen).

Dass diese Band weit über ihre australische Heimat hinaus auch in den sozialen Medien und Meme-Plattformen Kultstatus erreicht hat, wird deutlich, wenn man sich die Theorien und Mythen anschaut, die Fans mit jedem weiteren Album um diese Band spinnen. "The Gizzverse" nennt sich das Ganze, "Infest the Rats’ Nest" ist nur ein weiteres Puzzlestück darin. Und bei der offensichtlich grenzenlosen Kreativität der Band sehr wahrscheinlich nicht das letzte. Und auch gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass wir selbst in diesem Jahr noch ein Kapitel zu hören kriegen – wie auch immer das dann klingen mag.

Abhilash Arackal

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King Gizzard & The Lizard Wizard - Organ Farmer

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