Rezension

Isobel Campbell & Mark Lanegan
Hawk
Highlights: This Time Of The Season // Eyes Of Green // Get Behind Me
Genre: Singer-/Songwriter // Country // Folk // Americana // Blues // Rock'n'Roll
Sounds Like: Johnny Cash and June Carter // Mazzy Star // Bob Dylan // John Lee Hooker // Nick Drake
VÖ: 20.08.2010

Ob mit den Screaming Trees, den Soulsavers, zusammen mit Greg Dulli als Gutter Twins, mit den Queens of The Stone Age, auf Solopfaden oder eben zusammen mit Isobel Campbell: Mark Lanegans musikalischer Output ist in jeglicher Hinsicht bemerkenswert wie umfassend. So liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass einem erst beim Durchblättern irgendeines Booklets auffällt, dass Herr Lanegan hier seine Finger im Spiel hatte. Diese Omnipräsenz und Allgegenwärtigkeit findet ihre Fortsetzung in der inzwischen bewährten Konstellation mit Isobel Campbell, seinerzeit Teil von Belle and Sebastian. Er, der verlorene Sohn, gesegnet mit einer Stimme, die gar Nick Cave neidvoll erblassen lassen würde, sie, die sanftmütige Lady, die vornehmlich dezent im Hintergrund verweilt. Von Belle and Sebastian zu „Belle et la bête“ sozusagen.
Die Stricke jedoch hält auf ihrem neuen gemeinsamen Album „Hawk“ die Dame fest in Händen (wer denn sonst!), die das neue Album hauptsächlich produziert und arrangiert hat; ein Album, tiefverwurzelt in amerikanischer Tradition und Musik. In den meisten Songs bleibt sie gesanglich im Background und haucht leise in des Hörers Ohr. Mark Lanegan hält sich wiederum dadurch zurück, dass er nur bei acht der 13 Songs etwas beiträgt. In diesen acht Songs jedoch offenbaren sich, über einem 18 Jahre gereiften Bourbon hängend, seine dämonischen Züge oder er beweist in „This Time of the Season“, dass selbst ein „Biest“ eine weiche Seite besitzen kann. Anstelle Lanegans treten in einigen Songs Kollaborateure wie Kurt Wagner (Lambchop), der in chauvinistischer Art witzelt: „I never tell you no lies, I don’t believe it’s wise, you got pretty eyes”, und Willy Mason, der auf zwei Songs vertreten ist. Auf „You Won’t Let Me Down“ ist gar Ex-Smashing-Pumpkin James Iha an der Gitarre zu hören.
Es fällt schwer, alles zu erfassen und einzuordnen, was musikalisch hier zusammentrifft, angefangen bei Country, Gospel, Blues, Soul, Folk bis Motown Rock und Jazz. Man begibt sich auf eine endlos scheinende Reise, mit seinem verrosteten Chevrolet vom Atlantik bis zum Pazifik. Die Straßen scheinen endlos, die Freiheit grenzenlos und alle Zweifel, alles Unbehagen werden für einen kurzen Augenblick mit all dem Schmerz aus der Welt verbannt. Isobel Campbell gelingt es, ein sehr existenzielles Gefühl zu vermitteln, und dies auf sehr vielschichtige Weise.
Gelungen ist ihr sicherlich nicht alles. Wirkt die erste Single „Come Undone“ wie eine kantige Interpretation von Alicia Keys' Hit aus vergangenen Tagen „Fallin“, muss man woanders unweigerlich an Krakauers „Into The Wild“ und insbesondere an Eddie Vedders dazugehörige Vertonung denken. An anderer Stelle jedoch beweist Campbell in erfrischender Manier einen Kontrast aus leise und laut und wandelt unschuldig und rein auf den rauen Wegen amerikanischer Vorväter. Sie adaptiert einiges, teils zu viel, handhabt dies aber durchaus gekonnt.
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