Rezension

Holy Fuck

Latin


Highlights: Red Lights // Latin America
Genre: Post-Rock // Electronic // Experimental
Sounds Like: Fuck Buttons // Battles // Errors

VÖ: 14.05.2010

„Toronto's Evil Supergroup“ is back! Auf über vier Minuten Länge bauen die Kanadier von Holy Fuck, um Graham Walsh und Brian Borcherdt, in ihrem sphärischen Opener bereits behutsam das zusammen, was man die vermeintliche Ruhe vor dem Sturm nennen kann. Der Sturm – bestehend aus allem, was das elektronisch-synthetische Zerruniversum ihres Equipments hergibt – überfällt die Platte dann aber erst in der Mitte des funkigen „Red Lights“ und setzt im Laufe der Platte immer wieder ein. Immer wenn man denkt, jetzt hätten sie sich gefangen, hätten sich Melodien und groovenden Rhythmen anstatt der Destruktionsästhetik zugewandt, dann tritt er wieder ein – dieser im Post-Rock verhaftete Sturm der Verwüstung, der sich erst mit den letzten Tönen von „P.I.G.S.“ langsam auflöst und den Hörer mit allen Gefühlen alleine lässt.

Das oben erwähnte elektronisch-synthetische Zerruniversum kommt dabei ganz ohne Synthesizer, Laptops oder andere digitale Soundquellen aus. Der dennoch oft elektronisch wirkende Sound wird durch das Zusammenspiel von klassischen Gitarreneffekten, Casio-Keyboard und unkoventionellem „Instrumentarium“ in der Kategorie Filmprojektor oder Spielzeug erzeugt. Die neun Post-Rock-Songs strahlen eine druckvolle Energie aus, die wohl aus der Formierung des ursprünglichen Gründungsduos zu einer Band resultieren dürfte. Dabei werden Songideen und -strukturen meist live perfektioniert, um sie dann am Anschluss an eine Tour direkt aufzunehmen. Dieses Liveerlebnis überträgt Latin einwandfrei, auch wenn man bei Holy Fuck das tatsächliche Livegefühl immernoch bevorzugen sollte.

Andreas Peters

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