Rezension

Holy Fuck

Congrats


Highlights: Caught Up // Chimes Broken // Shivering
Genre: Elektro // Experimental
Sounds Like: Battles // Ez3kiel // Health // Ratatat

VÖ: 27.05.2016

Nunmehr zehn Jahre gibt es sie schon, die bemerkenswerten Chaoten von Holy Fuck. Hört man zuerst die Story zum Schaffen der Band, bevor man sich mit der Musik befasst, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln und sagen: „Das klappt doch niemals“. Klappt aber doch. „Congrats“ ist nun das mittlerweile vierte Album, auf dem das Quartett ihre Sounds durch alte, gebrauchte, aneinandergehängte Second-Hand-Keyboards (verstärkt durch Schlagzeug) erzeugt und trotzdem hochmelodiöse Strukturen erschafft. Gegen die Langweiligkeit sich stetig wiederholender Elemente streut man mittlerweile auch etwas Gesang ein, der aber lediglich die Funktion eines weiteren gestalterischen Parts hat.

Durchaus bunt ist die Mischung, die die zehn neuen Stücke mit sich bringt. Während der Opener „Chimes Broken“ noch einen ziemlichen elektronischen Poltersound mitbringt, überrascht „Tom Tom“ durch Lo-Fi-Rock Elemente. Wüsste man nicht um die Entstehungsgeschichte des Stiles, könnte hier auch eine X-beliebige Garagerockband am Werke sein. „Shivering“ verlässt diesen Pfad aber wieder schnell. Hier steht das Experimentieren im Vordergrund. Im Gegensatz zu Genrekollegen wie Battles merkt man Holy Fuck ein breiteres Soundspektrum an und vor allem den Drang, trotz zig nebeneinander und ineinander übergreifender Ideen immer noch einen roten Faden zu haben. Zudem steuert „Shivering“ einem wunderschönen Finale entgegen, in dem sich die vorher sezierten Elektroschichten ein gemeinsames Stelldichein geben.

Im weiteren wären noch das Daft-Punk-artige „Neon Dad“, das hypnotisch treibende „Sabbatics“ und „Acidic“ auf "Congrats" zu finden. Letzteres bringt durch einen Offbeat den Reggae in Haus, ehe „Caught Up“ die allzu sehr entspannte Stimmung mit Elektropunk zerschießt. „Congrats“ ist erneut ein spannendes Klangexperiment. In zehn Schritten zeigen die Kanadier, dass das Ende der Fahnenstange in ihrem Bereich noch lange nicht erreicht ist - und dass man trotz all der Komplexität trotzdem zu dieser Klangarchitektur tanzen kann.

Klaus Porst

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"Xed Eyes"

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