Rezension

HEALTH

Disco 2


Highlights: Before Tigers (Gold Panda RMX) // Eat Flesh (Crystal Castles RMX) // Die Slow (Pictureplane RMX)
Genre: Elektro // Noise-Rock
Sounds Like: ---

VÖ: 25.06.2010

Mit Remixen verhält es sich fast sensibler als mit Cover-Versionen von Originalen. Sie müssen genügend Fragmente des Originals mit einbeziehen, dürfen aber nicht zu nah an diesem sein. Andererseits sollten Spuren der Ursprungsversion erkennbar sein, da sonst der Sinn eines erneuten Mixes eines Songs verloren geht. Eine weitere Ähnlichkeit zwischen Cover-Versionen und Remixes ist die Tatsache, dass, je grandioser das Original, die Chance umso größer ist, sich mit einer Bearbeitung in die Nesseln zu setzen.

Die Vorzeichen könnten schlechter kaum sein für eine Remix-Platte des grandiosen HEALTH-Zweitlings "Get Color". "Disco 2" heißt das gute Ding und ist der konsequente Nachfolger von "Disco", der Remix-Platte zum Debütalbum. "Disco 2" knüpft aber nahtlos dort an, wo sein Voränger aufhört – Dekonstruktion des Noise-Rock hin zur Elektronisierung oder Discoisierung der einzelnen Elemente. Fußen die Songgebilde von HEALTH hauptsächlich auf einer wohldurchdachten Rhythmisierung, gefolgt von einer dichten, jedoch nie ohrenbetäubenden Wall Of Sound in Kombination mit dem fast choralen, femininen Gesang Jake Dusziks, so gehen die Remixe ganz andere Wege. Künstler wie Gold Panda, Pictureplane, Little Lud und Crystal Castles zerren musikalische Fragmente aus ihrer gewohnten Umgebung, grundieren sie mit einer neuen Idee, einem veränderten Rhythmus und zeigen auf, wie sehr eine Idee von dem sie umgebenden Kontext abhängig ist. Der Crystal-Castles-Mix vom brutalen Drumgewitter "Eat Flash" wird zu einer sphärischen, verträumten Angelegenheit, in die nur gelegentlich der maschinengewehrartige Albtraum aus einem Schlagspiel-Feuerwerk hereinbricht. Oder das verstörende "Bevor Tigers" wird von Gold Panda so sehr seines Ursprungs beraubt, dass aus einem Drone-Chaos eine technoide Traumlandschaft entsteht, dabei immer an der Grenze schabt, zu viel vom Original abgestreift zu haben. Doch es kriegt die Kurve. Pictureplane arbeiten ebenfalls mit einer fast technoid rhythmisierten Version von "Die Slow", bleiben dabei jedoch deutlich näher am Original und wissen so zu überzeugen.

Im Endeffekt ist "Disco 2" eine tolle Möglichkeit, sich mit den Einzelteilen von "Get Color" auseinanderzusetzen, sich anzuschauen, wie diese fast unüberschaubaren Songs in ihre Einzelteile zerlegt und umarrangiert werden. Dabei springen einige grandiose Remixe von oben genannten Küntslern herum und, nicht zu vergessen, ein bisher nicht veröffentlichter Song der Band selbst ("USA Boys"), der einem mal wieder die Schuhe auszieht.

Andreas Peters

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