Rezension

Health

Death Magic


Highlights: Stonefist
Genre: Pop // Noise // Industrial
Sounds Like: Pet Shop Boys // Depeche Mode // Nine Inch Nails // Marylin Manson

VÖ: 07.08.2015

Lange war es ruhig um Health. Ruhe ist dabei eigentlich etwas, das die Kalifornier bislang erfahrungsgemäß nicht gut konnten. Ihre Konzerte gleichen dem berüchtigten Besuch des Elefanten im Porzellanladen und ihr letztes Album „Get Color“ begeisterte durch seinen verstörend-schönen Lärmexzess, aus dem sich nach und nach und nur bei genauem Hinhören die eine oder andere Hymne herausschälte.

Von dem Ungebändigten, Wilden ist auf „Death Magic“ 2015 jedoch wenig geblieben. Sollten die Pet Shop Boys in naher Zukunft mit Skrillex ins Geschäft kommen, vielleicht könnten sie sich einiges von Jake Duzsik und seinen Kollegen abschauen. Zu klar und deutlich steht Duzsiks Gesang neuerdings im Mittelpunkt des Geschehens. Übersteuernde Synths und wuchtiges Donnern gibt es dabei höchstens noch als auf wenige Takte begrenzte Beilage zum Disco-Beat.

Vieles auf „Death Magic“ funktioniert recht simpel nach dem Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche" – austauschbarer Gesang, gepaart mit schneidenden Industrialsounds, die dem Ganzen etwas Atmosphäre verleihen sollen. Annehmbare Pop-Songs entstehen dabei allenfalls noch in „Stonefist“. Heftig wummerndes Gestampfe kann „Flesh World (UK)“ nicht davor bewahren, nach Kirmeszelt zu klingen und „Life“ versucht gar nicht erst, irgendetwas Anderes zu sein als seichtes Synthie-Geklimper für verliebte Teenager.

Für manch einen mag sich hier einer dieser großen Momente des Pop ereignen, in dem eine Band die Grenzen ihres Genres ablegt, aber doch genug musikalische Klasse mitbringt, erfolgreich zu sein und eigenständig zu klingen. Doch Health betreiben ein gefährliches Identitätsspiel, in dem sie sich auf Gratwanderung zwischen den Extremen begeben, und dabei vieles, was sie bisher liebenswert machte, über Bord werfen.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Stonefist"
Video zu "New Coke"

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