Rezension

Grinderman

Grinderman


Highlights: Get It On // No Pussy Blues // Electric Alice // Man In The Moon
Genre: Rock // Psychedelic
Sounds Like: Pere Ubu // Hüsker Dü // Nick Cave & The Bad Seeds

VÖ: 02.03.2007

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein gestandener Künstler, nach vielen Jahren Schwerstarbeit mit seinem Hauptprojekt, eine kleine Auszeit in Form eines Nebenprojektes gibt. Geschadet hat das schließlich noch keinem. Nun mag der eine oder andere zwar behaupten, dass ein solches Projekt eher der Unterhaltung des Künstlers als der der Hörerschaft gilt - was zugegebenermaßen auch schon das eine oder andere Mal vorgekommen ist - doch wir haben es hier ja glücklicherwiese nicht mit irgendwem zu tun, sondern mit dem unglaublichen Nick Cave.

Eben dieser hat sich Anfang 2004 mit drei seiner Bad Seeds-Kollegen, nämlich Warren Ellis, Martyn Casey und Jim Sclavunos, während der Arbeiten an seinem - bevorzugt in der amerikanischen Presse stark gefeierten - Doppelalbum "Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus", das weltweit im Herbst jenen Jahres erscheinen sollte, kurzzeitig in ein kleines Pariser Studio zurückgezogen, um wieder etwas klarere Köpfe zu bekommen. Keiner der vier hätte gedacht, dass ihre Köpfe in kürzester Zeit dermaßen klar werden würden. So klar, dass Songideen nur aus ihnen rausströmten. Songs, die nicht wirklich in das aktuelle Schema Caves Hautprojekts passten, dennoch umbedingt veröffentlicht werden sollten. So entstand Grinderman. Drei Jahre später halte ich die CD in den Händen.

Vorneweg sei folgendes gesagt: Was sich im ersten Moment nach ein paar Albereien anhört (hierbei denke ich in erste Linie an den jetzt schon zum Kult avancierten "No Pussy Blues"), entpuppt sich nach mehreren Hördurchgängen als ein wahres Konzeptalbum. Cave selbst erklärte im Vorfeld der Veröffentlichung, dass sich die gesamte Thematik des Albums in zwei Zeilen aufbaut: I went down to my baby's house, and I sat down on the step.

Stilistisch gehen Cave und Mannen diesmal verstärkt in Richtung Rock. Brutaler Rock. Die Art von Rock, die weh tut. Bestes Beispiel hierfür sind die ersten acht Minuten der CD, die bei 99 von 100 Hörern für offene Münder sorgen dürften. "Get It On" Kick those baboons and other motherfuckers out and, Get it on!! und der bereits angesprochenen "No Pussy Blues" (bei dem Titel spare ich mir einen direkten Textauszug, ihr könnt's euch denken) sündigen so viel, dass einem schlagartig klar wird, warum Cave die letzten Jahre verstärkt Gott, Jesus und wie sie alle heißen, in seine Musik mit einbezogen hat. Das ganze unterlegt mit Gitarrensoli, die selbst The Mars Volta live nicht bringen würden. Und so einer hatte vor nicht einmal drei Jahren noch ganze Kirchenchöre im Background...

Um einiges sphärischer geht es weiter. Das großartige "Electric Alice" und der Titelsong verantworten das oben aufgeführte "Psychedelic" als Genre. Von ersterem behauptet Cave in einem Interview zum Album tatsächlich, dass er ihn für den Rest seines Lebnes hören könnte. Ganz so weit möchte ich nicht gehen, aber mit seinen unglaublichen Gitarreneffekten, auf die der gesamte Song basiert, stellt er schon das absolute Highlight der CD da. In gewisser Weise ein beflügelnder Song, was man von "Grinderman", dem Song, nun wirklich nicht behaupten kann. Nicht umsonst wird er von Schlagzeuger Jim als Electric Alice's evil twin bezeichnet. Die schleppend düstere und dazu noch primitive Gitarre hält sich von der ersten bis zur letzten Sekunde. Augen zu und durch.

Wenn man von einem poppigen Teil des Albums sprechen kann, dann in den folgenden Stücken. "(I Don't Need You To) Set Me Free" ist ein Ohrwurm erster klasse, in "Go Tell The Woman" kann man sich durchaus zurücklehnen und mit "Man In The Moon" hat es sogar sowas wie eine 2-minütige Ballade auf die CD geschafft. Gut so. Damit das Grinderman-Debüt auch eine runde Sache ist, beendet "Love Bomb" wie "Get It On" begonnen hat. Rock! Hier finden sich auch die zwei von Cave als so zentral bezeichneten Zeilen wieder. Je öfter man "Grinderman" hört, egal ob zu Hause oder beim Spazieren durch die Stadt, desto mehr meint man nach jedem Hördurchgang ein wenig mehr verstanden zu haben, was er damit meinte.

Paul Weinreich

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