Rezension

Godspeed You! Black Emperor

Luciferian Towers


Highlights: Anthem For No State
Genre: Postrock
Sounds Like: A Silver Mt. Zion // Esmerine // Jessica Moss // Explosions In The Sky

VÖ: 22.09.2017

Godspeed You! Black Emperor gelten nicht nur als eine der besten Postrockbands überhaupt, sie haben sich auch den Ruf erarbeitet, eine überragende Liveband zu sein. Aus dem Konvolut an Instrumenten – und einem Diaprojektor – entsteht auf der Bühne ein majestätischer Lärm an teils improvisierten Stücken, die erst Jahre später regulär veröffentlicht wurden, als sie sich bewährt hatten. „Luciferian Towers“ verfährt da nicht anders. Zwei der vier neuen Werke entstanden im Zuge von „Kraterfront“ – einer monumentalen Liveshow angesichts eines 1.-Weltkrieg-Jubiläums in Belgien. Vor teils Kilometer in der Landschaft verstreuten Lichtsäulen spielten Godspeed You! Black Emperor ein krachendes Set, welches nun „Luciferian Towers“ zugrunde liegt.

Godspeed You! Black Emperor waren schon immer eine politische Band und sind es auch mit diesem Album. Der Ankündigungstext liest sich wie immer: kämpferisch, träumerisch hippiesk, auch verzweifelnd am Unheil der Welt, immer jedoch idealistisch. Nicht direkt adressiert, aber klar interpretierbar. Ein wenig platt durchaus, manchmal wirkt es ein wenig undurchdacht. So auch diesmal: Auf dem ersten Bild zur Veröffentlichung prangte ein großes "No export to Israel". Für "Luciferian Towers", scheint es, ließ sich die Band nun durch ihr Label mit vor den antisemitischen BDS-Karren spannen. Ob Godspeed You! Black Emperor selbst dazu eine Meinung haben, oder dies aufgrund der Unterstützung der Constellation-Labelinhaber für die BDS-Kampagne entstand (welches auf der Labelwebseite nachzulesen ist)? Man findet dazu erst einmal nichts, auch deshalb, weil sich die Band generell nicht groß äußert. Später wird der "No export"-Hinweis nicht mehr auftauchen.

Politisches beiseite ist „Luciferian Towers“ leider auch nicht besonders erhellend. Zeigten die letzten Alben noch ein Kollektiv auf ihrem lärmend spielfreudigen Höhepunkt, mäandert es nun nur noch vor sich hin. Schon immer verweigerte man sich gern Strukturen – ob mit Titellängen von 45 Minuten oder dystopischen Brüchen, Field Recordings und Dronestücken. Was jedoch nie fehlte, war die Spannung, die vielen kleinen Aha!-Momente. Dazu diese wunderschönen, teils tieftraurigen (die ersten Alben, allen voran „Moya“) bis genial brachialen Ausbrüche („Mladic“!). „Luciferian Towers“ jedoch zieht einfach nur vorbei und hinterlässt wenig, was sich festsetzt.

„Anthem For No State“ mit staubigen Wüstenanleihen und dem nach vorn gehenden Tempo kickt zwar ziemlich und reißt noch einiges heraus, die einzelnen Melodien, die dort aufgetürmt werden, waren gefühlt jedoch schon auf den letzten beiden Platten verbaut worden. Dreiviertel der Gesamtlänge brauchen die Kanadier dieses Mal, ehe überhaupt eine Melodieführung (wie so oft ist es eine wunderschöne Violinenspur) aus dem Soundmatsch herausragt. „Luciferian Towers“ ist zudem das Bindeglied zwischen A Silver Mt. Zion und den letzten Godspeed-Alben. Bis auf den fehlenden Gesang passt kein Blatt Papier mehr zwischen diesen einst recht unterschiedlichen Varianten des Montréal-Postrock. Einen weiteren musikalischen Meilenstein veröffentlicht das Kollektiv dieses Mal nicht.

Klaus Porst

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