Rezension

Godspeed You! Black Emperor

'Allelujah! Don't Bend! Ascend!


Highlights: Mladic
Genre: Postrock
Sounds Like: A Silver Mt. Zion // Grails // King Crimson

VÖ: 16.10.2012

Nicht nur im Titel, sondern auch vielfach in Foren, Blogs, Zeitschriften hallte es: „Hallelujah – GYBE bringen ein neues Album raus – in zwei Wochen“. Ähnlich stürmisch wie die Live-Wiedervereinigung der Postrockheroen 2010 wurde diese Neuigkeit gefeiert. Still und heimlich hatte die Band auf Konzerten schon den neuen Longplayer in die Diskografie gemischt. Auf diesem finden sich vier Stücke, davon zwei „richtige“ Songs und zwei Droneüberbrückungen. Dabei ist „'Allelujah! Don't Bend! Ascend!” eigentlich eine Mogelpackung: Die beiden neuen Songs “Mladic” und „We Drift Like Worried Fire“ sind altbekannt, trugen bislang die Titel „Albanian“ und „Gamelan“. Nun – für viele nach einer langen Wartezeit – haben es diese beiden Songs auf eine offizielle Veröffentlichung geschafft.

Zehn Jahre musste man also überstehen, um „Mladic“ in voller Pracht zu erleben und eines ist schon nach dem ersten Durchgang klar: Es hat sich gelohnt. Diese zwanzig Minuten fassen die wohl besten Momente zusammen, die diese Band je geschaffen hat. Zunächst beginnt alles recht unspektakulär. Die von der Band bekannten Worte aus dem Off eines weit entfernten Sprechers. Erste Töne, die Klänge von sich einstimmenden Streichern, etwas dissonant, noch ohne klare Richtung. Langsam gesellen sich aus verschiedenen Richtungen Klänge hinzu, mal klingt es wie Möwenschreien, mal erscheint ein undefinierbares Klimpern. Nach fünf Minuten legen sie dann los. Alle. Gleichzeitig. Mit einer unglaublichen, Gänsehaut erzeugenden Dynamik. Die nächsten zehn Minuten wüten, kämpfen, lärmen sich die Musiker dermaßen durch das Stück, dass es scheint, sämtliche verpasste Wut über den Zustand der Welt, der schon immer im Mittelpunkt der Bandphilosophie lag, solle in diesen Song gepackt werden. Nach diesen nervenaufreibenden Minuten kommt der erste Drone gerade recht, um die Gemüter etwas abzukühlen.

Das nachfolgende „We Drift Like Worried Fire“ ist ebenfalls gelungen, hat aber angesichts dessen, wie „Mladic“ die Welt abriss, nichts mehr drauf zu setzen. Teilweise recht gemächlich, von fast stoischer Ruhe kommt das Stück daher, im Gegensatz zum düsteren ersten Stück sorgt hier und da gar ein Glockenspiel für positive Stimmung. Der ebenfalls rund zwanzigminütige Track endet ebenfalls wieder im Übergang zu einem Drone, der „'Allelujah! Don't Bend! Ascend!“ ausklingen lässt.

Für viele mag allein der Umstand, dass Godspeed You! Black Emperor nach einer Dekade Abstinenz mal wieder etwas veröffentlichen, schon Grund zu überschwänglicher Freude sein. Fasst man zusammen, was das neue Album bietet, so ist diese berechtigt. GYBE sind nach wie vor Genrereferenz und auch wenn „We Drift Like Worried Fire“ im Gegensatz zu „Mladic“ etwas abfällt, zeigt es nur deutlich: Diese Band kann sich nur selbst überflügeln.

Klaus Porst

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