Rezension

Get Well Soon

The Horror


Highlights: The Horror // The Only Thing We Have To Fear // Nightjogging
Genre: Kammerpop
Sounds Like: Scott Walker // Nino Rota // The Dears

VÖ: 08.06.2018

„The Horror“ heißt das neue Album von Get Well Soon. Ganz so finster, wie Mastermind Konstantin Gropper es uns weismachen will, ist die Musik allerdings nicht. Zwar tremolieren die Streicher immer wieder in feinster Hitchcock-Manier und auch vor unbequemen dissonanten Einschüben wird nicht Halt gemacht, in erster Linie ist „The Horror“ aber vor allem nostalgisch – trifft hier doch Groppers ausgeklügelter Chamber Pop auf die Gassenhauer der 50er und 60er.

Vornehme Zurückhaltung sucht man auf „The Horror“ vergeblich, der Kitsch lauert hinter jeder Ecke. Aber genau darin liegt der Geniestreich, der Gropper gelungen ist: Trotz des steten Blicks in den Rückspiegel ist in seiner cleveren Mischung aus komplexen Arrangements und der kompromisslosen Hingabe zur Crooner-Schnulze ein mutiges, zukunftsweisendes Album entstanden.

Ging es beim letzten Get-Well-Soon-Album noch um die Liebe, nimmt sich Gropper hier ganz zeitgemäß des Gefühls der Angst an, sei es durch spannungsvolle musikalische Querverweise oder in seinen eigenen Texten. So erklingt im Opener „Future Ruins – Pt. 2“ ein arabisches Lied aus dem zwölften Jahrhundert, bevor Gropper selbst das Wort ergreift: „Hey Master Architect, Think Of The Ruin When You Draft“ – laut Gropper eine direkte Anspielung auf die derzeitige Situation im Nahen Osten. Überträgt man die Logik des Liedtexts auf seine eigenen Werke, sind auch diese unabänderlich zum Niedergang verurteilt gewesen. Mit seinen vertonten Albträumen setzt Get Well Soon ein dickes Ausrufezeichen im bisherigen Musikjahr.

Sönke Holsten

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