Rezension

Franz Ferdinand

Franz Ferdinand


Highlights: Take Me Out // This Fire // Michael
Genre: Retro-Rock // Wave
Sounds Like: Pulp // The Strokes // Modest Mouse

VÖ: 16.02.2004

Wann wurde eigentlich das letzte Mal eine Band im Vorfeld so gehypt? Schier unglaublich in welche Sphären da hochgelobt wurde. Das das nächste große Ding ausgerechnet "Franz Ferdinand" heißt war nicht zu erwarten. Wer sich nach einem österreichisch- ungarischen Thronfolger benennt, dessen Ermordung den 1. Weltkrieg ausgelöst hat, muss entweder komplett einen an der Klatsche haben, oder er weiß um seine Stärken und hat musikalisch was zu sagen.

Bei den vier Ex- Studenten der Bildenden Kunst ist eindeutig letzteres der Fall. Obwohl man sich den alten Stilmitteln von Postpunk, Glam, Disco und Wave bedient, verpackt man das Ganze zu einem zuckenden, elektrisierenden Bastard von Tanzmusik, der so noch nicht da war. Wer sich bei diesem Album abseits der Tanzfläche den Arsch platt sitzt muss taub oder seiner Beine nicht mehr mächtig sein. Schlag auf Schlag fliegen einem die Hits um die Ohren. Längen? Hänger? Lückenfüller? Fehlanzeige!

Dabei fängt alles so ruhig und bedächtig an. "Jaqueline" erhebt sich erst nach 45 Sekunden aus dem leichten Schlaf, zeigt aber dann wo es mit dem Rest weitergeht. Melodien für Millionen möchte man sagen. Und so ist es auch. Getragen von den zwei musikalischen Köpfen Alex Kapranos (Sänger/Gitarrist) und Nick McCarthy (Gitarrist/Keyborder/Backing- Vocals) entfaltet sich jeder Song zu einer wahren Perle. Der Refrain von "Tell her tonight" wäre auch auf jedem The Beatles Album durchgegangen, "Take me out" ist wahrscheinlich der Dancefloorburner des Jahres und mit "Darts of pleasure" hat man schonmal alle deutschsprachigen Leute auf seiner Seite. Denn die Affinität zur deutschen Sprache offenbart sich nicht nur in dem Bandnamen: "Ich heiße superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch!" Was das bedeuten soll wissen Franz Ferdinand wohl selber nicht, aber egal, es hört sich nunmal arschgeil und sexy an. Als heimlicher Favorit auf dem Album entwickelt sich schnell "Michael". Ein Rock´n Roll Wirbelwind, bei dem man die fliegenden Petticoats praktisch sehen kann. Immer präsent: Die wunderbaren Gitarrenmelodien von der ganz alten Schule und die sagenhaften Backing- Vocals, die den Gesang erst so richtig abrunden. Selbst Songs, die am Anfang nicht so zünden, wie das melancholische "Auf Achse", oder der fesche Fußstampfer "This fire", entwickeln sich mit jedem Durchlauf.

"Wir wollen mit diesem Album alle Frauen zum Tanzen bringen," so die Ansage von Franz Ferdinand. Das wird ihnen zweifellos gelingen, aber zu den Frauen werden sich auch sehr, sehr viele Männer gesellen. Diesmal ist der Hype berechtigt, man fragt sich nur, wie man dieses Album noch toppen will.

Benjamin Köhler

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