Rezension
Flying Lotus
Cosmogramma
Highlights: ---
Genre: Dubstep // Hip-Hop // Trip-Hop // Jazz
Sounds Like: Hudson Mohawke // Prefuse-73 // J DIlla // Portishead // Alice Coltrane
VÖ: 30.04.2010
Für Kollege Bothe war das zweite Album von Steven Ellison a.k.a. Flying Lotus, Los Angeles, eine „abstrakte Reise durch HipHop, Jazz, TripHop und Dub“. Dieser Ansatz verändert sich auch auf „Cosmogramma“ kein Stück, er wird erweitert.
Durch die Reduzierung des Einsatzes von Samples und die Hervorhebung live eingespielter Instrumentalparts macht Ellison deutlich, was ihn von vielen anderen Künstlern aus ähnlichen Gefilden unterscheidet: Bei ihm geht es nicht um das „Wie“, sondern um das „Was“. Er legt keinen Wert auf technische Schwanzvergleiche, sondern möchte wieder das Wesentliche ins Bewusstsein rufen: die Musik. Um die Musik geht es auch den Gästen dieser Platte: angefangen bei seinem Verwandten Ravi Coltrane (Sohn von Ellison's Großonkel John Coltrane und seiner Frau Alice), Streicher-Arrangeur Miguel Atwood Ferguson, Harfinistin Rebekah Raff, Bass-Virtuose Thundercat, sowie Gesangsbeiträgen von Thom Yorke und Laura Darlington. Die Zusammenarbeit mit diesen Künstlern, so sagt Ellison, habe eine ganz andere Arbeits- und Herangehensweise ergeben. Und das hört man der Platte an. Im Vergleich zum Konsensalbum „Los Angeles“ ist „Cosmogramma“ noch offener gehalten, zersetzen sich Strukturen fast gänzlich. Diese Abwesenheit von Songgerüsten und -einteilungen kann man selbst an der Promoversion der Platte festmachen, die als One-Track-CD verschickt wurde. Naja, aber was soll man sagen: Es funktioniert.
Zwischen dem allgegenwärtigen Knistern, dem immer wieder einsetzenden und alles zersetzenden Bass finden sich ganz besonders Free-Jazz-Elemente, die je nach „Track“ andere instrumentale Ausbrüche forcieren. Der Geist von Ellisons Tante Alice Coltrane, so sagt der Promotext, durchdringe die Platte, und auf dieser Basis verbindet er die vorherrschenden Strukturen des Jazz mit der Herangehensweise eines Hip-Hop, der mit der industriellen und massenabgefertigten Version des Genres nicht das Geringste gemein hat. Am besten lässt sich „Cosmogramma“ rezipieren, indem man sich ganz auf die subjektive Wahrnehmung, die erweckten Gefühle und Sehnsüchte konzentriert, die die Musik weckt, denn damit hätte sich der Kreis geschlossen. Eine Platte, die aus Emotionen generierte musikalische Ideen in Zusammenarbeit mit einigen Größen des Musikgeschäfts verbindet, kann und darf vielleicht gar nicht analytisch seziert werden.
„Cosmogramma“ jedenfalls ist vielleicht der nächste Schritt zur Verifizierung der These von Bass-Päpstin Mary Anne Hobbs, für die Flying Lotus sowas ist, wie der Hendrix seiner Generation.
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