Rezension

Element Of Crime

Immer Da Wo Du Nicht Bist, Bin Ich Nie


Highlights: Am Ende denk ich immer nur an dich // Deborah Müller // Kaffee und Karin
Genre: Melancholisch-Chansoneske Pop- und Rockmusik
Sounds Like: TempEau // Olli Schulz // Blumenfeld // ...eigentlich aber nur wie Element Of Crime

VÖ: 18.09.2009

Es ist eine große Kunst, gute Musik zu machen und dann auch noch gute DEUTSCHE Texte dazu zu schreiben, die nicht kitschig klingen, sondern bei deren Anhören man sich immer wieder über Wortspiele und schön erzählte Geschichten freut. Solche Fertigkeiten sind zum Glück sogar bei Künstlern zu finden, die in den Charts erfolgreich sind (und dennoch nicht nerven – was natürlich auch wiederum Geschmackssache ist). Dazu zählen kann man ganz gewiss Jan Plewka mit Selig und TempEau, den guten alten Herbert Grönemeyer und vor allem Sven Regener und Element Of Crime.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Element Of Crime dieser Tage ihr dreizehntes Album in fast 22 Jahren Bandgeschichte veröffentlichen. Und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass immer noch jedes Lied seine Eigenarten und einen guten Text hat (wenn es nicht gerade instrumental ist). Über Sven Regeners lyrisches Talent muss man eigentlich gar nicht mehr schreiben, denn wenn er das nicht schon mit den schätzungsweise 200 geschriebenen Songs bewiesen hat, dann auf jeden Fall mit seinen Erfolgsromanen (Herr Lehmann; Neue Vahr Süd; Der kleine Bruder).

Der Titel des neuen Albums „Immer da wo du nicht bist bin ich nie“ mag den einen oder anderen an einen früheren Song der Band, nämlich „Mittelpunkt der Welt“, erinnern. Dort singt Regener auf ironische Weise: „Ich bin jetzt immer da wo du nicht bist // Und das ist immer Delmenhorst.“ Natürlich erfinden sich Element Of Crime nicht ständig neu, und manche der Melodien (oder auch wie beim Titel die Textpassagen) klingen, als ob man sie schon mal irgendwo gehört hätte. Nämlich nach Element Of Crime. Aber: Sie sind und bleiben eine zeitlose Band, die schon vor 20 Jahren die Hörer beglückten, es vor 10 Jahren immer noch verstanden, gleichzeitig die alten Fans zu halten und neue, junge Fans dazu zu gewinnen, und heute, im Jahr 2009 immer noch aktuell sind.

Trotz gleichbleibender Stilmerkmale mögen es die Berliner zu experimentieren. So klingen sie in ihrer ersten Single-Auskopplung, dem Titel-Track des Albums, überraschend unbeschwert und rockig, und erinnern somit an spaßige Stücke jüngerer Kollegen wie Olli Schulz. Im Bonustrack wird dann sogar auf Englisch gesungen, was an ganz alte Zeiten erinnert, denn die ersten Alben der Band wurden noch auf Englisch eingesungen. Die deutschen Texte jedenfalls erfreuen den Hörer auch beim neuen Album immer wieder. Wie zu Beginn erwähnt, werden phantasievolle, großartige Geschichten erzählt. So zum Beispiel in „Am Ende Denk Ich Immer Nur An Dich“: „Auf einem Spielplatz ruft ein Kind nach seiner Mutter / Damit die sieht wie hoch das Kind schon schaukeln kann / Und es wirft die Beine vor und hoch zum Himmel / Bis sein Schuh davon fliegt / Und der landet dann / Auf einem Auto das am Straßenrand geparkt ist / Auf dessen Windschutzscheibe Schwein geschrieben steht / Und das metallic-braun und glatt wie deine Haare / Genau wie du sein wahres Alter nicht verrät / Ganz egal woran ich gerade denke / Am Ende denke ich immer nur an dich“. So lehnt man sich gerne zurück und hört Sven Regeners ruhiger, melancholischer Stimme zu. Auch charmante und witzige Texte, wie in „Kaffee und Karin“ („Große Gedanken / Kleines Gehirn / Einer kommt weiter / Und der hat dich gern“), machen das Album aus. Nichts Neues, wie gesagt, aber wer Element Of Crime einmal gemocht hat, der wird auch „Immer Da Wo Du Nicht Bist Bin Ich Nie“ mögen.

Marlena Julia Dorniak

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