Rezension

Donots

Coma Chameleon


Highlights: Stop The Clocks // Headphones // Somewhere Someday
Genre: Alternative
Sounds Like: Beatsteaks // Ash // Billy Talent

VÖ: 28.03.2008

Es wirkte ja schon etwas ironisch. Da benennen die schier immer gleichen Donots ihr Album "Coma Chameleon" nach einem der wandelbarsten Exemplare der Tierwelt. Und das nach sechs Platten, die sich nur minimal unterschieden. Das war nicht weiter tragisch. Wer die Band mochte, der kam auf seine Kosten, wer sie nicht mochte, der sparte sich das Reinhören. Aber Ironie ist völlig fehl am Platze, denn es ist kaum zu glauben, dass das hier das neue Werk der Ibbtown Rockers sein soll.

Seit "Got The Noise" sind nun aber vier Jahre vergangen. Der Vertrag mit Gun-Records wurde auf Wunsch der Band aufgelöst, das neue Album auf Ingos Label Solitary Man Records rausgebracht. Auch an den Reglern stand mit Kurt Ebelhäuser (Blackmail und Scumbucket) ein neues Gesicht, mit Vincent Sorg derjenige, der 1998 mit der Band die zweite LP "Tonight´s Karaoke Contest Winners" aufnahm. Für all die Jahre dazwischen kam 2006 die Best-Of-CD raus. Ein Neustart also. Oder ein Tunnel am Ende des Lichts, wie der Beginn recht philosophisch ausfällt.

Mit "Break My Stride" starten die Donots gleich mit einer Nummer durch, die an die Beatsteaks oder Billy Talent erinnert. Einen würdigen Abschluss findet die Nummer im Anschluss an den letzten Song "Somewhere Someday". Da wird der Refrain noch einmal aufgegriffen und von Walter Schreifels (Rival Schools) samt Akustikklampfe wiederholt.

"Pick Up The Pieces" erinnert noch am ehesten an die alten Donots-Songs, mit einem großen Unterschied. Im Refrain ertönt zwischen den "What the hell are we waiting for?"-Wiederholungen lediglich ein ohrwurmiges Gitarrenriff, aber keine "Whohoho"-Chöre, fast schon ein Markenzeichen der Band. "Headphones" dagegen ist eine komplett neue Geschichte. Ein ruhiger Beat in den Strophen, Gitarrengeschrammel in den Refrains, spoken words im Zwischenteil. Eine wahnsinnig gute Nummer.

Noch so eine Überraschung ist "Stop The Clocks", der laut Band bei den Demos noch der lauteste Track des Albums war. Kurt Ebelhäuser hat daraus eine relaxte Midtempo-Ballade gezaubert. Der gemeinsam gesungene Refrain gibt den traurigen Zeilen eine Gänsehautatmosphäre ohne jeglichen Kitsch. "And if I could stop the clocks / If I could make this moment mine / I'd make the most of a bad time / I wish I could stop the clocks / And wash awy those lies / It's all that I could wish for tonight"

Ob es nun das neue Produzententeam, das neue, eigene Label oder schon ein Anflug von Altersreife ist, den Donots ist ein recht starker, aber angenehmer Umbruch gelungen. Sicher werden nicht alle Alt-Fans von "Coma Chameleon" begeistert sein, dafür dürfte die Band aus Ibbenbüren auch einige neue Hörer gewinnen. Und so schön die alten Zeiten gewesen sein mögen, das hier ist die beste Platte, die die Donots gemacht haben. So einfach ist das. Und so schön.

Martin Korbach

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