Rezension

Deichkind

Wer Sagt Denn Das?


Highlights: Wer Sagt Denn Das? // Richtig Gutes Zeug // Keine Party
Genre: ElektroRap
Sounds Like: Mediengruppe Telekommander // Egotronic

VÖ: 27.09.2019

“'Ne neue Platte von Deichkind...?” – im Jahr 2019 erscheint das als eine rhetorische Frage, denn die Norddeutschen haben in den letzten Jahren so viel abgeliefert, dass ein weiteres Release in diesem Herbst alles andere als eine Überraschung ist. “Content-Kings” können sich die Deichkinder ans Revers heften, wenn es um deutschen Elektro-Rap geht, aber ob das Konzept aus tanzbarer Mucke mit wenig Melodie und überdurchschnittlich intelligenten Texten nicht langsam ausgereizt ist?

Klarer Fall, die Zahl der Selbstzitate auf “Wer Sagt Denn Das?” ist grenzwertig. Ein Song wie “Keine Party” hätte sich ebenso gut auf “Aufstand im Schlaraffenland” wiederfinden können, wirkt beinahe wie ein “Remmidemmi Vol. II”. Musikalisch dient das Album von 2006 am ehesten als Referenz zu “Wer Sagt Denn Das?”. Insgesamt ist hier vieles laut, straight und melodielos. “1000 Jahre Bier” ist das beste Beispiel: Industrial-like wird hier dem Gerstensaft gehuldigt, allerdings ohne die typische Metaebene oder das bekannte Augenzwinkern. Das wiederum findet sich in der namensgebenden Single “Wer Sagt Denn Das?”, einem coolen Song, der nicht nur aufgrund der vielen Fragen zum Nachdenken anregt: Ehhh, wie genau war das jetzt grad gemeint?

Mittlerweile haben Texte, in denen gesellschaftliche oder mediale Entwicklungen thematisiert werden, bei Deichkind einen festen Platz. Besonders zeigt sich das in “Cliffhänger”, einem Track über den allgemeinen Serienwahn, “Endlich Autonom” über die Autobranche und autonomes Fahren und “Powerbank” über leere und leistungsstarke Akkus – und damit unsere Abhängigkeit von unseren Smartphones in der heutigen Zeit. Ein paar Anklänge an die 80er-Jahre sind ein nettes Gimmick und referenzieren ein Jahrzehnt, in dem die technische Entwicklung ebenfalls eine große Rolle spielte.

Als größtes Manko von “Wer Sagt Denn Das?” kann man jene Gaga-Songs nennen, die einfach nur nerven, “Knallbonbon” zum Beispiel oder “Sonate in F-Doll”. Tatsächlich hätte etwas weniger dem Album gut getan, denn 18 Tracks, die sich musikalisch und textlich stark ähneln, sind einfach verdammt viel. Und es fehlen natürlich die Videos, die den Singles zu ihrem Wiederkennungswert verhelfen. Nichtsdestotrotz ist “Wer Sagt Denn Das?” ein gelungenes Album, das sich nahtlos in die Diskografie von Deichkind einreiht.

Mischa Karth

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Richtig Gutes Zeug (offizielles Video)
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