Rezension

Best Coast

The Only Place


Highlights: Up All Night
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: Dum Dum Girls // Surfer Blood // Wavves

VÖ: 11.05.2012

„Why would you live anywhere else?
We've got the ocean, got the babes
Got the sun, we've got the waves
This is the only place for me“


Und du hockst natürlich in deinem verregneten Kuhkaff. Doch verzweifle nicht. Die kalifornischen Botschafter des geistlosen Frohsinns, bestehend aus crazy Cat Lady und mellow Stoner Dude, veröffentlichen passend zum Sommerbeginn ihr zweites Album „The Only Place“.

Am verflixten zweiten Album hat schon so mancher Strandschönling Schiffbruch erlitten. Viele kopieren ihre erprobte Erfolgsformel, andere erfinden sich komplett neu. Best Coast umschiffen gekonnt solche existenziellen Fragen und setzen auf stabile Kontinuität. Doch eine Änderung haben sich selbst unsere Strandhäschen nicht nehmen lassen: Das alles klingt noch etwas kalkulierter und verwässerter als beim Vorgänger. Ist ja auch eine Form der Entwicklung.

Musikalisch wildern unsere Leichtmatrosen natürlich in seichten Gewässern. Immerhin haben Lieder wie „The Only Place“ und „Let's Go Home“ Schmiss. Nicht, dass das sie in irgendeiner Form unterscheidbar machen würde. Für den Rest langweilt man den Zuhörer durch neun verschlurfte Leisetreter, welche nicht mit geistlosen Plattitüden wie „I don't wanna be how they want me to be“ geizen. Ja, bei der grenzensprengenden Musik glaubt man das gerne. Schlussendlich könnte „Up All Night“ doch noch die musikalische Havarie abdämpfen, würde der Song nicht schon seit Jahren in einer weniger überladenen und dadurch ungleich schöneren Fassung existieren.

Der lyrische Horizont beschränkt sich immer noch auf das Ver- und Entlieben. Das mag man niedlich finden. Allerdings stellt sich gleichzeitig die Frage, wie viele Typen diese Dame eigentlich schon an der Angel haben musste – genug für drei Neuauflagen von Beverly Hills 90210 sicherlich. Ein Schelm, wer hinter Bethany Cosentino mehr als nur die Unschuld vom Strand vermutet.

Dümmliche Musik ist ja an sich nichts Schlechtes – Skeptiker sollen sich gefälligst mal wieder die Ramones-Discographie um die Ohren hauen. Allerdings wird sie es, wenn sie aus reinem Kalkül heraus entsteht. „The Only Place“ ist ein reiner Jahrmarkt der Eitelkeiten ohne Substanz, ohne Authentizität – und ohne Charme. Und so bleibt auch das am süßesten geraunte Nichts schlussendlich nur ein Nichts.

Yves Weber

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