Rezension

Anna Von Hausswolff

All Thoughts Fly


Highlights: Persefone // Sacro Bosco
Genre: (Neo)-Klassik // Orgel
Sounds Like: -

VÖ: 25.09.2020

Anna von Hausswolff ist eine der zweifelsohne herausragendsten Sängerinnen dieser Zeit. Vier Alben sind es bereits, anfänglich spielte sie dabei eine Art Orgel-Folk, später immer lauter, immer mehr dem Doom zugewandt. Wer die Schwedin schon einmal live erleben konnte, bekam dies eindrücklich bewiesen. Trotz größter Lärmorgien gelingt es ihr, stimmlich noch eines draufzusetzen und über dem Rest zu schweben. "All Thoughts Fly" allerdings fährt nun einen komplett anderen Ansatz.

Im Januar 2020 nahm sich von Hausswolff der Orgel in der Örgryte New Church in Gotenburg an. „All Thoughts Fly“ ist nun das Resultat dieser Aufnahmen – komplett instrumental. Keine Sätze oder Silben, kein Hauchen. Dieses Album ist solo – eine Musikerin, ein Instrument, eine besondere Aufnahme. „Sacro Bosco“ ist einer der Titel, gewidmet einem Garten aus dem 16. Jahrhundert. Dieser „Park der Ungeheuer“ versammelt groteske Skulpturen und schräge Gebäude – eine dieser Skulpturen ziert das Cover.

„Sacro Bosco“ knüpft dabei wie auch „Persefone“ an normale Hörgewohnheiten an. Gerade letzteres schwebt elegisch sieben Minuten dahin. Andere Kompositionen wie der lange Titeltrack sind schwieriger zu greifen. Schicht für Schicht lädt von Hausswolff hier sich wiederholende Muster auf – ein großes Finale oder erwartete Wechsel passieren nicht. Nach diesem großen Fragezeichen beendet „Outside The Gate (For Bruna)“ diese sicherlich schwierige Reise. Wer also ein weiteres groß auftrumpfendes Album der Schwedin erwartet hat, wird hier ins ganz kalte Wasser geworfen. Sicher, die Orgel war schon immer das bestimmende Instrument in ihrem Sound – wirkte aber vor allem in Verbindung mit dem Gesang sehr mächtig.

Klaus Porst

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