Interview

Tephra


Eigentlich machen wir ja E-Mail-Interviews eher ungern. Da aber Sänger und Gitarrist Ercüment ein fieses Magengeschwür heimgesucht hat und Tephra unserer Meinung nach einfach immer noch zu wenig Beachtung finden, brauchten wir nicht zwei Mal über eine Ausnahme nachdenken. Live vom Krankenbett und mit viel bissigem Humor ausgestattet berichtet Ercüment über die Abkehr vom Sludge-Sound und dem Beinahe-Split nach einem Besuch beim Türken.

Ich nehme mal an, ihr seid keine Vollzeit-Musiker, sondern habt "nebenher" auch diverse Jobs oder ein Studium/eine Ausbildung am Laufen. Beschreibt doch mal ein wenig, wie ihr euer "normales" Alltags-Leben mit Albumaufnahmen, Tourleben, Bandproben etc koodiniert.

Ercüment Kasalar: Richtig! Naja, wir haben feste Zeiten, an denen wir proben, und wir suchen uns Zeiten aus, zu denen wir Shows oder Touren einplanen, und so nimmt das dann seinen Lauf. Aufnehmen tun wir nur, wenn wir uns sicher sind, dass die Zeit reif ist. Sorry, aber viel gibt’s da eigentlich nicht zu erzählen.

Ist es langfristig euer ausgemachtes Ziel, von eurer Musik komplett leben zu können oder lasst ihr die Dinge einfach auf euch zukommen?

Ercüment: Davon leben zu können ist Musiker-Traum, aber da sind wir schon recht bodenständig und wissen auch, dass man mit dieser Art von Musik nicht reich werden kann. Wir lassen uns mal überraschen und schauen, was die nächsten Jahre auf uns zukommt…

Euer neues Album "Tempel" wirkt wie ein Startschuss in eine neue Ära der Band. War es euch wichtig, nach dem Ausstieg eures Keyboardes in der Hinsicht ein Zeichen zu setzen?

Ercüment: Ja, Tempel ist eine neue Ära. Aber das wäre auch ohne den Ausstieg von unserem Keyboarder Florian passiert. Ob es wichtig war oder ist, ist relativ. Wir sind an einem Punkt angekommen, uns die Freiheit zu nehmen, das zu machen, wonach uns ist und uns nicht von irgendeinem „Szene“-Mist weiter in eine Schublade drücken zu lassen.

Unüberhörbar ist auf "Tempel" natürlich, dass ihr musikalisch etwas mehr vom Sludge in Richtung Post-Rock gedriftet seid. Wie kam es dazu?

Ercüment: Man wird halt älter und entwickelt sich, auch als Band. Aber das kam von ganz allein, dass wir keinen Bock mehr auf das ständige gleiche „Sludge“-Schema hatten. Sollen sich andere damit beschäftigen, für uns hat sich das totgespielt.

Eine Band, die eine ähnliche Entwicklung genommen hatte, war Isis. Standen diese vielleicht ein wenig Pate für eure musikalische Veränderung?

Ercüment: Was interessiert uns Isis!?! Unser eigener Geist stand Pate!

Nerven euch grundsätzlich Vergleiche mit anderen Bands oder lasst ihr das doch entspannt über euch ergehen?

Ercüment: Ach, das wird man als Band glaube ich nie los, egal was man macht oder welche Richtung man einschlägt. Sollen sich doch andere die Köpfe zerbrechen. Wir machen unser Ding so wie gehabt weiter.

Wenn ihr eure bisherige Karriere mal Revue passieren lasst: wo waren da die Knackpunkte, an denen ihr am liebsten die Flinte ins Korn geschmissen hättet und wo die ganz besonderen Erfolgserlebnisse, die euch zusätzlich angetrieben haben?

Ercüment: In Leverkusen nach einer Show hätten wir am liebsten die Flinte ins Korn geschmissen nachdem wir beim Türken die schärfste Soße aller Zeiten gegessen haben, das brennt zweimal. Nein, im Ernst, so einen Gedanken hatten wir bisher nicht! Erfolgserlebnisse hatten wir hingegen nach jedem Release und jeder Tour. Das liegt aber auch daran, wie man Erfolg definiert und was man daraus macht.

Denkt ihr, dass jede Band irgendwann ihr Pulver verschossen hat und sich dann besser auflösen sollte oder gibt es da auch Ausnahmen?

Ercüment: Tja, vielleicht sollte man wie wir zu Veränderungen oder Stilbruch stehen oder diesen Schritt wagen. Dann hat man wieder genug Pulver zum Schießen! Ich finde, man soll als Band so lange weitermachen wie es geht und sich nicht von Fans oder anderen beeinflussen lassen, denn, wann Schluss ist, ist immer noch Sache der Band.

Wie sehen konkret eure Planungen für das restliche Jahr und vielleicht schon darüber hinaus aus?

Ercüment: Wir hauen eventuell dieses Jahr noch eine 7“-Single raus mit einem unveröffentlichten Song, und ab August geht’s auch wieder mit Shows los mit anschließender Europa-Tour im Herbst.

Abschließend natürlich noch die Nachfrage nach deiner Genesung. Läuft alles gut soweit?

Ercüment: Ja, vielen Dank! Bin schon aufm Weg der Besserung, nachdem ich wochenlang Pillen schlucken musste… Aber momentan muss ich noch zu diversen Untersuchungen und hoffe, dass ich das bald auch hinter mir hab und dann geht’s auch wieder richtig los.

Wir freuen uns drauf!

Benjamin Köhler

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Rezension zu "Tempel" (2011)
Rezension zu "A Modicum Of Truth" (2007)

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