Rezension

Tephra

Tempel


Highlights: Ghost // Chains And Pounding Hooves // How The West Was Lost
Genre: Post Rock // Sludge
Sounds Like: Isis // Mastodon // Neurosis

VÖ: 18.02.2011

Vor mehr als drei Jahren haben die Braunschweiger von Tephra mit „A Modicum Of Truth“ einen unfassbaren Brocken hingelegt, der mit sämtlichen anderen nationalen Bands spielend den Boden aufgewischt hatte. Ein Album, so hart und brutal wie eine Grätsche von Nigel de Jong. Nach langer Zeit im Studio und dem Ausstieg des Keyboarders stehen die Zeichen bei Tephra nun auf Veränderung. „Tempel“ soll die Entwicklung der Band fortführen, die sich bereits auf dem Vorgänger angedeutet hatte. Sprich: mehr Post Rock, weniger Sludge. Und warum auch nicht? Schließlich hatten bereits die seligen Isis vorgemacht, wie solch eine Metamorphose erfolgreich verlaufen kann.

Und der Beginn von „Tempel“ lässt zuerst auch keine Zweifel aufkommen, dass Tephra dieser Aufgabe gewachsen sind. „Ghost“ steht sinnbildlich für das Ziel, wohin die Reise gehen soll. Lange und anspruchsvolle Instrumentalpassagen und viele unterschiedliche Songpassagen heißen die kleinen Schönheitsoperationen, denen sich Tephra unterzogen haben. Und dennoch wahrt die Band ihr Gesicht, durch einen erneut wie entfesselt bölkenden Sänger Ercüment und einer Abfahrt im Schlussteil, die einfach alles wegföhnt. Auch das nachfolgende „Chains And Pounding Hooves“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. So hat man sich das vorgestellt und so sollte es sein.

Leider scheitern Tephra im weiteren Verlauf des Albums immer mehr an ihren eigenen Ansprüchen. Mit „Agra“, „City Immersed In Dust“ und „Seven Teeth“ sind gleich drei Songs vertreten, die sich auf lange ausgetretene Post-Rock-Pfade verirren und auch durch die mächtige Produktion nicht mehr zu neuem Leben erweckt werden können. Da fehlt es an den Ecken und Kanten, die die Band vorher so ausgezeichnet hat und erst hier wird auch richtig deutlich, dass ohne einen schlecht gelaunten Ercüment einfach zu wenig Druck vorhanden ist, um dauerhaft spannend zu bleiben.

Zwar kann man mit „How The West Was Lost“ noch einmal einen weiteren richtigen Brecher und Song-Monolithen vor dem Herrn vorweisen, doch fällt der Ertrag auf „Tempel“ einfach zu gering aus, um als erfolgreiche Neuerfindung der Band angesehen zu werden. Das ist kein Drama, da die Ansätze zweifellos vorhanden sind und Tephra erst am Beginn eines Prozesses stehen, der sie mit der Zeit schon noch ins Ziel führen wird. Und vielleicht waren die Erwartungen auch schlichtweg zu groß. Eine kleine Enttäuschung bleibt dennoch. Zumindest bis zur nächsten Dampfwalze von Tephra.

Benjamin Köhler

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