Interview

Architecture In Helsinki


Kurz vor dem Release des neuen Albums spielen Architecture In Helsinki eine exklusive Clubshow in Köln. Der Interviewmarathon ist Sänger Cameron Bird nicht anzumerken. Trotz rappelvollem Terminplan erzählt er geduldig Details der kommenden Platte.

Kommen wir gleich zur Sache. Kannst du mir ein paar Details zum kommenden Album nennen?

Cameron Bird: Unser drittes Album wird "Places Like This" heißen und wir haben es von Juni letzten Jahres bis Januar diesen Jahres aufgenommen. Die Hälfte davon entstand in Brooklyn und die andere Hälfte in Australien.

Wie kam es dazu?

Cameron: Nun, wir tourten durch die USA und hatten schon eine ganze Menge Ideen. Wir konnten es kaum noch erwarten aufzunehmen. Also gingen wir sofort nach Ende der Tour ins Studio. Als Produzenten wollten wir unbedingt Chris Coady haben, der schon die letzten Alben von TV On The Radio und Blonde Redhead aufgenommen hat. Wir fragten ihn einfach aus Jux auf MySpace und er hat sofort zugesagt. Also haben wir einige Zeit mit ihm gearbeitet, bevor wir dann famlilienbedingt nach Australien zurück mussten. Dort haben wir dann den Rest fertiggestellt.

Habt ihr ein bestimmtes Konzept im Hinterkopf gehabt?

Cameron: Nein, eigentlich nicht. Wir werden sicher irgendwann mal ein Konzeptalbum machen, aber dafür ist die Zeit irgendwie noch nicht reif genug. Wir haben einfach drauflos gespielt, ohne irgendwelche Hintergedanken.

Worin unterscheidet sich "Places Like This" denn von den Vorgängeralben?

Cameron: Es ist direkter und zielgerichteter, würde ich sagen. Nicht so ausschweifend wie "In Case We Die", aber trotzdem noch hibbelig genug. Wir haben auch viel Orchester verwendet diesmal. Man könnte sagen, es ist sowohl mehr Pop als auch düsterer in der Grundstimmung.

Düsterer?

Cameron: Ja, das hört sich vielleicht etwas seltsam an. Ich kann das auch nicht genau beschreiben, das muss man hören, dann weiß man, was ich meine.

Habt ihr noch mehr Instrumente benutzt?

Cameron: Wir haben mehr Samples und Synthesizers verwendet diesmal. Ich kann ja auch einfach mal Song für Song durchgehen und was zu sagen:

1. Red Turned White: Das war der erste Song, den wir aufgenommen haben. Gefällt mir von der Produktion her am besten.
2. Heart It Races: Unsere erste Single. Ist inspiriert von karibischen Folkklängen. Wir haben extra für die Aufnahmen auch einen Drummer aus Trinidad im Studio gehabt.
3. Hold Music: Einige Leute, die die neuen Songs schon hören durften, sagten mir "Hold Music" klingt wie die B 52´s.
4. Feather In A Baseball Cap: Der Song ist noch von unserer EP. Wir haben ihn noch mal aufgenommen und auch als letzten Song aufs Album gepackt.
5. Underwater: Ein Song zum Relaxen. Wenn man einfach mal abhängen und runterkommen will.
6. Like It Or Not: Handelt davon, wie es ist, den Sommer in den USA zu verbringen, während deine Freunde sich in Australien gleichzeitig den Arsch abfrieren.
7. Debbie: Ein leicht aggressiver Song, der aber rein gar nichts mit irgendeiner Person zu tun hat.
8. Lazy: Mein Lieblingssong auf dem Album. Das sagt eigentlich alles.
9. Nothing´s Wrong: Ein klassischer Popsong für den wir ein Sample benutzt haben, in dem zwei Autos ineinander krachen.
10. Same Old Innocence: Der härteste und dunkelste Song des Albums. Das werden einige so nicht erwartet haben.

Wie schreibt ihr denn die Songs überhaupt? Ihr seid ja einige Musiker und eure Musik ist sehr vielschichtig...

Cameron: Auf diesem Album haben wir einiges anders gemacht. Alle Songs haben wir auf die Rhythmussektionen aufgebaut, d.h. zuerst standen die Beats und Percussions, bevor wir mehr hinzugefügt haben. Wir haben uns die Songs dann gegenseitig immer hin und her geschickt per Mail, sodass dann jeder immer mal wieder eine Kleinigkeit draufgepackt hat, wenn ihm was eingefallen ist. So ging das drei Monate und dann haben wir die Songs zusammen eingespielt.

Die Texte sind aber ausschließlich von dir, oder?

Cameron: Ja, das ist alleine mein Ding. Wobei die Texte wohl jeder schreiben könnte, da ich mir nie irgendwelche konkreten Gedanken über die Lyrics mache. Das entsteht alles durch Zufall und Eingebung. Oft ist es auch einfach die Melodie des Songs, die mich zu den passenden Worten führt.

Kannst du noch kurz ein paar Worte zu dem Remixalbum sagen, welches gerade veröffentlicht wurde?

Cameron: Hauptsächlich sind da Freunde von uns drauf. Wir hatten schon ein paar gesammelt und so kam die Idee, ein ganzes Album daraus zu machen. Für die fehlenden Remixes haben wir dann einfach rumgefragt, wer denn was dazu beisteuern möchte. Das war sehr aufregend für uns, all die Songs in einem anderen Gewand zu hören.

Soll es von "Places Like This" auch ein Remixalbum geben?

Cameron: Bisher gibt es dafür noch keine Pläne. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir machen ja auch ständig Remixe und wenn es sich wieder ergibt, warum eigentlich nicht?

Welche Band würdet ihr denn gerne mal remixen?

Cameron: Ganz oben wären mit Sicherheit die Avalanches. Irgendwas Neues von denen. Um ehrlich zu sein gibt es zu viele Songs, die ich gerne mal remixen würde. Vielleicht sollten wir mal ein Remixalbum der von uns veränderten Songs veröffentlichen.

Benjamin Köhler

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Rezension zu "Moment Bends" (2011)
Rezension zu "Places Like This" (2007)
Rezension zu "In Case We Die" (2006)

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