Rezension

Architecture In Helsinki

Places Like This


Highlights: Heart It Races // Lazy (Lazy) // Nothing's Wrong
Genre: Multikultureller Indie-Stilmix
Sounds Like: Modest Mouse // The Go! Team // Of Montreal

VÖ: 10.08.2007

Architecture In Helsinki, die Band der geographischen Wirrungen. Immer auf der Suche nach neuen Ufern, hat das Sextett bereits nahezu den gesamten Globus betourt und scheint dennoch nicht müde zu werden. Songwriter Cameron Bird hat sich mittlerweile in New York niedergelassen, und auch der Rest der Gruppe lebt irgendwo auf der Welt verstreut. Hauptsache möglichst viele kulturelle Einflüsse aufsaugen, so wirkt es, und raus aus dem heimischen Australien. Überflüssig zu erwähnen aber dennoch, dass die Band trotz ihres Namens nach wie vor nichts mit Finnland oder seiner Hauptstadt am Hut hat. Wenigstens der „Architecture“ wurde auf dem Cover von „Places Like This“ aber erneut Tribut gezollt.

Stilistisch präsentiert sich das neue Werk ähnlich bunt und wirr wie das Artwork schon verspricht. Ganz wie bereits beim Vorgänger angedeutet, wird auch auf „Places Like This“ ein Feuerwerk an Tempowechseln, unerwarteten Brüchen und kleinen Soundfragmenten abgebrannt, dass es eine reine Freude ist, während sich Cameron Birds Stimme dazu fröhlich im Isaac-Brock-Style überschlägt. Sämtliche eingefangenen Emotionen wirken dieses Mal allerdings noch eine Spur verstärkt, während eingängige Momente an Seltenheitswert gewonnen haben.

Da verwundert es fast, dass mit „Heart It Races“ der bei weitem am leichtesten zugängliche Track der Platte auch der beste geworden ist, der sich als potentieller zukünftiger Dauerbrenner der Indiediscos dieser Welt in exotisch-mitreißender Manier irgendwo zwischen M.I.A. und dem Go! Team in das Gehör und die Beine des Hörers pumpt. Doch nicht nur damit kann „Places Like This“ Punkte sammeln, vor allem die außergewöhnliche Instrumentenauswahl (unter anderem Steeldrums, überzuckerte Synthies und diverse Bläser, wobei letztere neuerdings etwas im Hintergrund abgetaucht sind) weiß zu überzeugen.

Mangel an Ideen gibt es nicht, ganz im Gegenteil, manchmal hat man eher das Gefühl, als hätte die Formation um Cameron Bird gar nicht mehr gewusst, wohin damit. Warum also falsche Bescheidenheit? Lieber einfach mal alles reinstopfen, was einem so in den Sinn kommt. Das klappt überraschenderweise über weite Strecken sogar äußerst gefällig, punktuell beginnt die vertonte Reizüberflutung aber auch ein bisschen zu nerven. Eine Platte, perfekt für den Sommer: fröhlich, überdreht und voller neuer Eindrücke. Die Heimat der Band ist die Welt. Und das Herz, es rast.

Johannes Neuhauser

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