Rezension

Woodpigeon

Die Stadt Muzikanten


Highlights: Empty-Hall Sing-Along // My Denial In Argyle // Enchantée Janvier // And As The Ship Went Down, You'd Never Looked Finer // The Pesky Druthers (Parts 1 & 2)
Genre: Indie-Folk
Sounds Like: Fanfarlo // Arcade Fire // Belle & Sebastian

VÖ: 16.04.2010

Talk about Klischees: Man stelle sich vor, eine Deathmetalband würde sich einfach mal „Evil Bloodslayers“, oder der nächste 50-Cent-Verschnitt sich „Bitchmaster Jizzay“ nennen. Oder eine Band, die Saufmusik für gröhlende Totalspacken macht, sich als „Atzenmusik“ bezeichn....OK, das gibt’s schon, aber trotzdem – kann es, bei allen Wald- und Tierreferenzen, die sich gerne in Namen von Folkbands tummeln, erwartbarer werden als „Woodpigeon“?

Wahrscheinlich nicht, aber in Anbetracht der Tatsache, dass das kanadische Kollektiv ursprünglich mal auf den handlichen Namen „Woodpigeon Divided By Antelope Equals Squirrel“ hörte, kann ein Mangel an potentieller Kreativität kaum der Grund für diese Wahl sein. Den würde man einer Band, die immerhin 70 Minuten Musik auf ihr Album stopft, aber wahrscheinlich sowieso nicht vorwerfen. 

Glücklicherweise geschieht in dieser Zeit aber grundsätzlich auch genügend, um die scheinbare Überlänge zu rechtfertigen: Eine aus acht Personen bestehende Band kann eben auch relativ viele Instrumente gleichzeitig bedienen und im Idealfall ähnlich viele Endorphine verschütten, und so werden dann immer wieder verschiedenste Ecken des Instrumentenschranks geplündert – super, wie die Tuba fröhlich bummend durch „Enchantée Janvier“ führt – und für „Empty-Hall Sing-Along“ gefühlt die komplette Meute für den Hintergrundgesang versammelt. Partykracher für Holzfällerhemdenträger quasi.

Solche Momente sind dann auch die, mit denen Die Stadtmuzikanten das Dauergrinsen ins Gesicht tackern – die diversen ruhigeren Stücke, die vorrangig auf Mark Hamiltons okayem, aber auch nicht berauschendem Gesang fußen, sind zwar auch nicht schlecht, aber in der Form woanders passender zurecht geschneidert. Insofern hätte nebst der Instrumentenvielfalt auch ruhig etwas nach der Schere gewühlt werden können, um die eine oder andere Minute herauszuschnippeln und so ein schon gutes Album noch weiter zu verbessern – aber den Kürzungsprozess gab's ja zumindest schon beim Bandnamen. Auch ein Anfang.

Jan Martens

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