Rezension

Two Gallants

We Are Undone


Highlights: Some Trouble // My Man Go // We Are Undone
Genre: Grunge-Pop // Indie-Folk // Highschool-Folk-Punk
Sounds Like: The White Stripes // Nirvana // Weezer

VÖ: 30.01.2015

Schlüsselmomente sind reine Interpretation. Rückblickend kann man sich dafür entscheiden,dass ein gewisser Augenblick der Schwellenpunkt einer Entwicklung war, seitdem dann alles anders gelaufen ist als bisher.

„The Bloom And The Blight“, das erste Album der Two Gallants nach ihrer beinahe fünfjährigen Pause, kann von Seiten der Hörer leicht als ein solcher Moment gewertet werden: plötzlich gab es weniger staubigen Folk, weniger Punk, weniger groß angelegte Achtminüter. Dafür boten die Jungs plötzlich mehr Grunge, mehr Auf-die-Fresse-Pointen und entschieden sich für stärkere Eingängigkeit. Und nun? Bleiben Vogel und Stephens bei ihrer neu gefundenen Einfachheit? Lehnen sie sich weiter dem poppigen Grunge entgegen? Oder war die letzte Scheibe nur ein kurzer Ausflug, nach dem es wieder zurück zu den Ursprüngen geht? „Quo vadis?“ und so...

Direkt der Opener knüpft mit seinem ausdrucksstarken Riff zwar nahtlos an die bretternden Stücke der letzten Scheibe an, schnell wird aber deutlich: Die zwei Kavaliere haben Gefallen an den etwas seichteren Gefilden gefunden. „Incidental“ und „Fools Like Us“ beispielsweise wollen nicht viel und verkommen beinahe zu einfachen Schunklern. Die zweite Hälfte des Albums dann eröffnet die Bühne für mehr Gefühl und schlägt ruhigere Töne an.

Insgesamt scheinen die beiden Amerikaner derzeit ein wenig im Highschool-Rock-Kosmos umherzuschwirren – Rivers Cuomo, ich hör dir trapsen. Stephens Stimme ächzt und krächzt zwar nach wie vor und wo die beiden Jungs ihre Wurzeln haben, lässt sich bei Stücken wie etwa „Some Trouble“ durchaus noch erkennen. Dennoch fragt man sich, wo sie eigentlich hin ist, die staubige, rohe, berstende Energie, die einen übermannt hat – ob live oder auf Platte. Vielleicht ist die aber gar nicht weg. Möglicherweise hat dieses Duo sie mittlerweile nur anders eingesetzt, sich mehr um Details gekümmert, möglicherweise ist das, was The Two Gallants derzeit zu bieten haben, auch einfach genau das, was sie immer gemacht haben, nur komprimierter, durchdachter, kürzer, schneller – erwachsener!?

„We Are Undone“ erklärt sich höchstens im Titel selbst: Es gibt keinen finalen Stand. Es ist alles im Werden, fertig ist noch lange nichts. Ob das letzte Album anno 2012 nun also der Schwellenpunkt der Neuentwicklungen und Neuentdeckungen war oder nicht, darf, wie bereits gesagt, selbst interpretiert werden. Viel Spaß dabei! Als möglicher Soundtrack für Überlegungen eignet sich „We Are Undone“ genau wie jedes andere Two-Gallants-Album jedenfalls bestens.

Silvia Silko

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Two Gallants mit Album-Namensvetter "We Are Undone"

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