Rezension

The Walkmen

Lisbon


Highlights: Angela Surf City // Victory // Woe Is Me // Lisbon
Genre: Retro-Rock // Indie-Rock
Sounds Like: The Velvet Underground // The Strokes // Bob Dylan

VÖ: 08.10.2010

Fangen wir diese Rezension einmal damit an, was auf „Lisbon“ relativ neu ist: Ein Song wie „Stranded“, der es schafft, neben begleitendem Schlagzeug nur mit Bläsern auszukommen – der eher seltene Death of Saiteninstrument für knapp viereinhalb Minuten, während Hamilton Leithauser vom Tag danach singt – nach was genau auch immer.

Und hier wären wir schon bei dem, was an „Lisbon“ überhaupt nicht neu ist: Leithausers Gesang, der in der Tat zumindest so wirkt, als habe er schon in den 60ern eine kleine New Yorker Band namens Velvet Underground unterstützt. Auch in vielerlei anderer Hinsicht klingt das Album – von Ausnahmen wie dem Quasi-Interlude „Follow The Leader“, das irgendwie klingt, als wäre es von Animal Collective verbrochen worden, einmal abgesehen – wieder einmal wie eine Rückkehr in die Zeit, als das heutige Retro noch Proto war.

Dass der Originalitäts-Blumentopf nicht mehr an jene Bands geht, die sich am Sound der 60er orientieren, ist spätestens seit 10 Jahren und dem Debüt der Strokes klar. Deren offensichtlichen Tanzflächenfüllern für Nerdbrillenträger ähneln jedoch höchstens „Angela Surf City“ und „Woe Is Me“, die jedoch qualitativ locker in einer Liga mit „Last Nite“ und Konsorten spielen. Ansonsten sind viele Songs auf „Lisbon“ wie „All My Great Designs“ und das Sinatra-eske „While I Shovel The Snow“ entspannt und balladesk und auch textlich retrospektiv – rückblickend auf Frauen, auf Beziehungen, auf das Leben eben. Die Behauptung, „Lisbon“ solle rockiger als sein toller Vorgänger „You & Me“ werden, stimmt daher nicht ganz – und doch erweisen sich die Walkmen einmal mehr als Band, die während der Retrowellen der letzten Jahre völlig zu Unrecht nicht alle Deiche der Medienwelt überschwappt haben. Irgendwie also doch alles beim Alten.

Jan Martens

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