Rezension

The Walkmen

Heaven


Highlights: Southern Heart // Song For Leigh // The Love You Love // Heaven
Genre: Indie // Retro-Rock
Sounds Like: The Velvet Underground // The Strokes // Bob Dylan // Tapes 'N Tapes

VÖ: 01.06.2012

Das hätte vor gut zehn Jahren wohl auch kaum jemand vorausgeahnt. Während Kapellen wie The Strokes oder Maximo Park nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, bilden The Walkmen so etwas wie das letzte bedeutende Überbleibsel des großen Retro-Revivals kurz nach der Jahrtausendwende &dasnh eine Band, deren Songs man ursprünglich höchstens mal herausgeholt hat, wenn „Last Night“, „Apply Some Pressure“ und „Take Me Out“ bereits bis zum Erbrechen durchgenudelt waren. Aber so läuft's halt manchmal: The Walkmen entschwinden augenscheinlich uneinholbar am Horizont, während die Konkurrenz von damals einfach nicht mehr von der Stelle kommt. Nach „Heaven“ wird sie nicht einmal mehr die Rücklichter sehen.

Was die Fünf aus New York den einstigen Weggefährten voraus haben, wird nur allzu deutlich, wenn man einfach mal die Entwicklung der letzten drei Alben Revue passieren lässt. „You & Me“ war ein großer Wurf, wahrscheinlich das beste Album, das die Band je schreiben wird. Danach kam mit „Lisbon“ eine kleine Ernüchterung. Zu überladen, zu viel gewollt, zu wenig gelungen. Und jetzt haut man mit „Heaven“ eine Platte raus, die sich wieder auf die Stärken zurückbesinnt und unzählige zauberhafte Momente an den Mann/die Frau bringt. Heißt unter dem Strich: The Walkmen haben den Biss und unbedingten Willen, ihr Songwriting auf die nächste Ebene zu hieven und lassen sich auch nicht von kleinen Rückschlägen aus der Bahn werfen.

Dazu hat man sich erstmal sämtlichen Pomps und unnötiger Instrumentierung des Vorgängers entledigt. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, das wars. Selbst die vertraute Orgel muss sich da in ungewohntem Verzicht üben und wird nur noch selten für den ein oder anderen Song entstaubt. Stattdessen setzt man alles auf die stärkste Waffe der Band und das ist die Stimme von Hamilton Leithauser. Er trägt „Heaven“ von der ersten bis zur letzten Sekunde. Längst ist aus dem schlurfigen Brummler ein erwachsener Mann geworden. Man hängt ihm förmlich an den Lippen, erst recht, wenn er zu vollwertigen Balladen wie „Southern Heart“ oder „Line By Line“ quasi den Alleinunterhalter gibt.

Seine Bandkollegen wissen Bescheid, überlassen Leithauser komplett das Feld und gerade deshalb wirkt auch alles auf „Heaven“ so unglaublich entspannt und zwanglos. Keiner muss hier irgendwas beweisen. Die Gitarren kommen mit einer Leichtigkeit daher, dass einem das Herz aufgeht. Wer sich in diese Melodien nicht verliebt, hat nichts für Saiteninstrumente übrig. Einzig die etwas zu glatte Produktion hält das sechste Studioalbum von The Walkmen davon ab, auf einer Augenhöhe mit „You & Me“ zu sein. Aber auch das wird die Band richtig analysieren, denn dass Musik nun mal in erster Linie harte Arbeit ist, hat man hier verstanden.

Benjamin Köhler

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