Rezension

The Thermals

We Disappear


Highlights: My Heart Went Cold // In Every Way // Thinking Of You
Genre: Indierock
Sounds Like: Japandroids // Hüsker Dü // Guided By Voices // Wavves

VÖ: 25.03.2016

So sehr man sich auch zunächst die Sympathie-Boni pachten mag – so ganz leicht hat man es nicht als Band aus der Garage. Reicht es zu Beginn noch, zehnmal zweieinhalb Minuten lang je drei Akkorde zu schrammeln, solange man das nur mit genug Schmackes und einem gewissen Händchen für Melodien tut, kommt irgendwann der Punkt, wo dieses Rezept aus den verschiedensten Gründen nicht mehr aufgeht. The Thermals haben den schon vor einer ganzen Weile erreicht, schlagen sich dafür aber noch ganz ordentlich.

Denn so mancher Band hätten engstirnige Kritiker den Hals umgedreht, wenn sie nach zwei Chinaböllerbatterien wie „More Parts Per Million“ und „Fuckin‘ A“ auf einmal zwei Stufen heruntergeschaltet hätte – wenn die Thermals aber ein paar Alben lang relativ entspannten Powerpop spielen, tun sie das so gut, dass man sogar noch die politischen Aussagen der Band bereitwillig zur Kenntnis nimmt und ihnen nicht einmal übel nimmt, dass sie ihre Alben mittlerweile sogar ziemlich okay produzieren lassen. „Desperate Ground“ wurde dann wieder zumindest ein Flämmlein unter dem Hintern angezündet und wurde sogar zu einem Highlight der Bandgeschichte.

Narrenfreiheit kann man das Ganze nicht nennen, aber zumindest eine gewisse Komfortzone, in der es sich die Thermals auf „We Disappear“ dann dementsprechend breit machen und zwischen Popsongs wie „My Heart Went Cold“ und dem fuzzig ausufernden „The Great Dying“ wechseln. So beinahe unverschämt simpel und fast schon monoton wie in „In Every Way“ wird es dabei kaum, so hitverdächtig wie in „Thinking Of You“ ebenso selten. Rückblickend wird das siebte Album der Thermals wohl eher wenig hervorstechen – es reiht sich allerdings auch nahtlos in eine Diskographie ohne wirkliche Ausfälle ein.

Jan Martens

Hören


"Hey You" anhören

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.