Rezension

The Last Shadow Puppets

Everything You've Come To Expect


Highlights: Bad Habits // Used To Be My Girl
Genre: Indierock // 70s-Disco // Pop
Sounds Like: Arctic Monkeys // Miles Kane // Kasabian // Mando Diao // Pulp

VÖ: 01.04.2016

Wenn eine Band nach dem Debüt acht Jahre vergehen lässt, ehe sie neues Material herausbringt, neigen Erwartungshaltungen dabei nicht selten dazu, zu explodieren. Neben der vielen Ausdauer, die Fans mitbringen müssen, steht dabei auch die Frage: Passt der Sound überhaupt noch zum Zeitgeist? Vielen Musikern abseitiger Genres mag das egal sein: Hauptsache, die eigenen Ideen finden einen Weg ins Studio. Bei den Last Shadow Puppets ist vieles jedoch anders. Gerade für eine Indieband wie sie, die nah an den Clubs, nah an eben jenem Zeitgeist agieren, mag der Faktor nicht unwichtig sein. Zugute halten lässt sich, dass dieses Projekt eigentlich nur die zweite Garde ist. Mitglied Alex Turner feiert mit den Arctic Monkeys Erfolge und Kollege Miles Kane ist sonst mit den Rascals oder Solo unterwegs. „The Age Of Understatement“ war damals das Debüt zweier blutjunger, aufstrebender Musiker, die ein paar Ideen über das hinaus hatten, was ihre Hauptbands so machten.

Nun sind eben acht Jahre vergangen und die beiden Musiker hör- und sichtbar erwachsen geworden. Spannend ist daher „Everything You’ve Come To Expect” allemal, allein der Frage wegen, wie die beiden dies umsetzen. Ein erstes Ausrufezeichen setzt die Single „Bad Habits“. Eine Punknummer, schnell, tanzbar, mit Referenzen sowohl zu den 1970ern als auch zu aktuellen Kollegen wie Kasabian oder Mando Diao. Doch diese Single ist eine Mogelpackung, denn diesen Sound findet man auf „Everything You’ve Come To Expect“ genau einmal. Der Rest orientiert sich zwar auch stark an den 1970er Jahren, allerdings verlassen die Last Shadow Puppets die rauen Punkclubs und stellen sich dort an, wo es glitzert. Ein Großteil des Albums ist eine Referenz an den Discosoul, -rock, -pop eben jener Zeit (insbesondere „Miracle Aligner“ und „The Element Of Surprise“). „Used To Be My Girl“ hat zudem einen recht groovenden orientalischen Einfluß. Klebrige Streicher (übernommen übrigens von Owen Pallett), Soulrhythmen und dazu natürlich das passende Outfit. Wer sich die aktuellen Promofotos der beiden anschaut, sieht hier zwei Männer, die tief in die Retrokiste gegriffen haben und auch vor Abba nicht Halt machten.

„Everything You’ve Come To Expect” bietet einen breiten Katalog verschiedener Songs und Stile. Es ist recht kurzweilig, einigen Stücken, wie etwa dem Titeltrack, geht ein wenig die Luft aus, beziehungsweise fehlt sie ganz. Insbesondere die balladesken drei letzten „She Does The Woods“, „Pattern“ und „The Dream Synopsis“ sind recht langweilig. „Everything You’ve Come To Expect” schwankt daher stark auf dem schmalen Grat zwischen cool und verzichtbar.

Klaus Porst

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"Bad Habits"
"Aviation"

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