Rezension

The Killers

Sam's Town


Highlights: For Reasons Unknown // Read My Mind // When You Were Young // Exitlude
Genre: Indie // Rock
Sounds Like: Pulp // The Bravery // Meat Loaf

VÖ: 29.09.2006

Ob Brandon Flowers das wollte? Da veröffentlicht er mit seinen Killers das zweite Album nach dem erfolgreichen Debüt "Hot Fuss" - und alle reden nur über seine Äußerung, dass Musikjournalisten Arschlöcher seien. Oder war das gewiefte Taktik, um von eventuellen Schwächen auf "Sam's Town" abzulenken?

Die Rocker aus Las Vegas gehören zu den Senkrechtstartern der Indierock-Szene. Über vier Millionen verkaufte Exemplare des Debüts, ein Auftritt in der US-Serie "The OC" und Scharen von jungen Leuten tanzten sich weltweit zu "Somebody told me" und "Mr. Brightside" die Füße wund. Gefeiert als "die beste englische Band, die nicht aus England kommt", machten Flowers und seine Jungs dem Titel alle Ehre und lästerten ganz Gallagher-like über die Kollegen von The Bravery.

Aber irgendwann wurde es ruhiger. Studioarbeit stand auf dem Plan und während bei Flowers die Gesichtshaare sprossen, feilte das Produzententeam Flood und Alan Moulder (U2, Smashing Pumpkins, Depeche Mode) am Sound der Amerikaner, denen man auf einmal ihre Herkunft anhört. Weniger Bowie, Duran Duran oder The Cure, mehr Springsteen, mehr Meat Loaf. War "Hot Fuss" noch großes Kino, ist "Sam's Town" Theater. Bombast hier, ruhige Zwischenszenen da. Und das ist das Problem des Albums: Theater ist Geschmackssache.

Die Inszenierung beginnt großartig. Mit einem Männerchor im Gepäck wird "Sam's Town" besungen, um dann mit dem großartigen "Enterlude" die Hörerschaft zu begrüßen. War der Vorgänger zweigeteilt in eine Hälfte zum Abhotten und eine Hälfte zum Schwelgen, so wechseln hier ruhige und schnelle Passagen, bis es am Ende im "Exitlude" heißt: "We hope you enjoyed your stay / it's good to have you with us / even if it's just for today."

Freunde des Debüts kommen bei den Singles "When You Were Young" und "Bones" auf ihre Kosten, einprägsame Melodien, leichte Kost. Doch das Album glänzt auch mit anspruchsvolleren Titeln, die leider dafür sorgen, dass es zwar qualitativ hochwertiger, aber auch etwas anstrengender ist. Und nicht immer glanzvoll. Bei den Titeln "The River Is Wild" und "Why Do I Keep Counting" sollte der Vorhang früher fallen.

Wenn sich aber "For Reasons Unknown", "Read My Mind" oder "Uncle Johnny" einmal im Ohr breit gemacht haben, da weiß man, dass die Killers, trotz aller Unkenrufe, ein solides Werk abgeliefert haben, dass zwar im Gesamtbild hinter dem Debüt bleibt, aber die besseren Einzelstücke zu bieten hat. Und Brandon Flowers vielleicht doch zu sehr vom Album abgelenkt hat.

Martin Korbach

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