Rezension

The Joy Formidable

Aaarth


Highlights: Dance Of The Lotus // All In All
Genre: Alternative Rock // Shoegaze
Sounds Like: Blood Red Shoes // The Raveonettes

VÖ: 28.09.2018

„Aaarth“ – wie das intensive Ausatmen nach einem 45-minütigem, intensivem Hörerlebnis. „Aaarth“ – wie das walisische Wort für Bär oder „Aaarth“ – wie Kunst. Das walisische Trio The Joy Formidable lässt eine Menge Interpretationsspielraum für den Titel ihres mittlerweile sechsten Albums. Doch unabhängig, welche der oben genannten einem am ehesten zusagt – „Aaarth“ hat von allem etwas zu bieten.

 „Aaa(rt)h“ – Ausatmen – um Luft zu holen. Um am Ende jedes dieser elf intensiven und dichten Songs kurz durchzuschnaufen, bevor der nächste wilde Gitarrenritt beginnt. Gleich der erste Song „Y Bluen Eira“ beginnt nach kurzem mantra-artigem Sprechgesangs-Intro von Sängerin Ritzy Bryan direkt mit der vollen Alternative-Ladung und endet in einem schwindelerregenden Drum-Solo, bevor mit „The Wrong Side“ die melodiösere Facette der Band zum Vorschein kommt, stets mit angezerrten und quietschenden Gitarren. „Cicada (Land On Your Back)” verführt mit orientalischen Klängen und „All In All“ steigert sich in knapp sechs Minuten von psychedelischen Ambient-Klängen in ein gänsehauterregendes Finale, das jede Post-Rock-Band neidisch werden lässt.

„A(aa)rth“ – eine Bär-Analogie könnte an dieser Stelle etwas an den Haaren herbeigezogen klingen, aber: Die Platte ist wuchtig, schwer, massiv. Das dichte Soundgewand zieht sich durch alle Songs, mit sich überlappenden, kreischenden Gitarren, anheizenden Bassläufen und Crescendi, an Stellen, an denen man denkt, es geht nicht noch mehr. Wuchtig, wie ein Grizzly, der eigentlich nur kuscheln will und dich dann unter seiner Masse begräbt.

„A(aa)rt(h)“ – wie Kunst. Offenbart sich auf der Platte in der Fahrigkeit, Facettenreichtum so in Einklang zu bringen, dass fast romantisch klingende Pianoläufe („Absence“) neben explosionsartigen Ausbrüchen, bittersüßen Glockenspielmelodien, schweren Gitarrenriffs und betörenden Gesangsmelodien stehen und sich in dem insgesamt eher dunkel anmutenden Überbau perfekt einfügen. Wie die wilde Collage des Plattencovers, finden alle noch so experimentellen und intensiven Auswüchse ihren Platz im Ganzen und ermöglichen dadurch erst die faszinierende Wirkung von „Aaarth“.

Mit „Aaarth“ katapultieren sich The Joy Formidable in die erste Reihe der gegenwärtigen Alternative-Bands, mit Songs, hymnisch und episch à la Biffy Clyro, aber auch intim und verführerisch, die sowohl in den großen Hallen, wie den kleinen, verschwitzten Clubs funktionieren. „Aaarth“ – vielleicht einfach auch nur ein wikingerartiger Schlachtruf, bevor es mit in die Luft gestreckter Faust ins nächste Gitarrenmassaker geht.

Abhilash Arackal

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Video zu "Dance Of The Lotus"
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