Rezension
The Grand Opening
In The Midst Of Your Drama
Highlights: Through Your Shield // Forsaken // In The Midst Of Your Drama
Genre: Singer/Songwriter // Pop
Sounds Like: Bon Iver // Neal Casal // Simon Lynge // American Music Club
VÖ: 05.11.2010
Wer einen Soundtrack für freie Sonntage sucht, an denen sich erlaubte Müdigkeit auf die Augen legt, der Himmel sich in graues Grau wölkt, den Bäumen vom Wind die letzten Blätter entrissen werden und man den ganzen Tag den Schlafanzug anbehält, ist bei den schwedischen Nordlichtern „The Grand Opening“ genau richtig. Wie auf Katzenpfoten schleicht sich das Album „In The Midst Of Your Drama“ in die Gehörgänge und macht es sich dort bequem.
Erstmals ist John Roger Olsson nicht alleine im eigenen Studio. Die Aufnahmen wurden begleitet vom Backgroundgesang durch Jens Petterson und Anna Ödlund. Auch in puncto Instrumentierungsmöglichkeiten greift Olsson in die Vollen und bedient sich an Bläsern oder E-Gitarren. So entsteht eine tiefe Klanglandschaft, durch die Olsson mit seinem Gesang führt. Seine Stimme hat die Intensität Neal Casals, viertel vor Ryan Adams, etwa bei „Faults And Errors“, kann aber auch in sanftes Flüstern übergehen, beispielsweise bei „The Time Remaining“, ein Song, den Olsson so vorsichtig singt, als würde er ein schlafendes Kind im Nebenzimmer nicht zu wecken wagen. Ebenfalls am Werk ist Christoffer Roth, der unter anderem auch schon mit Moneybrother gearbeitet hat.
Im Gegensatz zu den Vorgängeralben erscheint „In the Midst of Your Drama“ also durchaus gehaltvoll, nicht jedoch bombastisch. Es ist bemerkenswert, wie Olsson die Klangspuren und Instrumente einsetzt. Fein wie pastellenes Seidengarn lässt er sie hier und da einfließen, niemals grob, stets zierlich. „Habits“ oder „Breakdown“ beispielsweise lehnen sich sanft an jazzigen Sound an, wohingegen „Forsaken“ ein typischer Popsong ist.
Jeder einzelne Song der Platte überzeugt vor allem aber durch die Vielschichtigkeit, die sich aus Klängen, Stimme und den wundervoll angeordneten Lyrics ergibt. Textzeilen wie „After heavy violence / I aim for some peace of mind.“ verleihen dem Album zwar Schwermut, führen jedoch nicht in depressive Dunkelheit. Vielmehr behält das Album seine Leichtigkeit, ohne abzuheben. Die Melancholie wirft zwar ihren Schatten auf das Gesamtwerk, allerdings ist das keinesfalls störend, sondern unterstützt das Gefühl des Sonntagmorgens, an dem man sich nicht schminken braucht, nicht zur Arbeit oder in die Uni muss, sondern einfach nur aus dem Fenster blicken und in der verregneten Ferne Nichts suchen darf.
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