Rezension

The Good, The Bad & The Queen

Merrie Land


Highlights: Gun To The Head // Nineteen Seventeen // The Poison Tree
Genre: Rock
Sounds Like: Damon Albarn // David Bowie // Timber Timbre

VÖ: 16.11.2018

11 Jahre ist es her, dass „The Good, The Bad & The Queen“ 2007 erschien. Ein Album einer bis dahin unbenannten Supergroup um Damon Albarn, begleitet von Ex-The-Clash-Bassist Paul Simonon, Ex-The-Verve-Gitarrist Simon Tong, Jazz/Funk-Drummer Tony Allen und produziert von Danger Mouse. Der Blur-Sänger und Gorillaz-Mastermind, der zuvor fortschrittlichen Brit-Pop („Think Tank“, 2003) und eine futuristische Version von Pop entworfen hatte („Gorillaz“, 2001; „Demon Days“, 2005), bewies sich und der Musikwelt, dass er auch unkonventionellen, funky Rock kann. Das Albumcover zeigte die Zeichnung eines lichterloh brennenden Londons.

Nun ist seine Supergroup zurück, nennt sich auch offiziell The Good, The Bad & The Queen und London scheint sich politisch mehr und mehr zu entzünden. Nicht nur das im 50er-Jahre-Stil gehaltene Coverbild ist diesmal gruselig, „Merrie Land“ klingt nun auch musikalisch wie ein wahr gewordener Albtraum auf offener Zirkusbühne. Zu den schrägen Melodien und Rhythmen seiner Band trägt Albarn Texte vor, durch die der herbe, frostige Wind des Brexit-Britanniens weht. Banksys „Dismaland“ lässt grüßen. Zuweilen erinnern die Kompositionen ein wenig an den späten Bowie („Nineteen Seventeen“), in den starken Momenten entfaltet die Band eine Sogkraft wie die auf dem Gebiet des schrägen Grusels als Koryphäen weitläufig anerkannten Kanadier von Timber Timbre („The Great Fire“, „The Last Man To Leave“), doch leider zu selten.

Denn der Platte geht der Zauber ab, den die zusammengewürfelte Band 2007 noch zu erzeugen vermochte. Simonons Bass geht nach wie vor ins Mark, Allen trommelt vertrackt wie eh und je, doch Tong und insbesondere Albarn werden über den gesamten Verlauf des Albums zunehmend blass und unsichtbar. Eine Ausnahme bildet das von einem spannenden Melodiebogen aus Piano und Flöte getragene „Gun To The Head“, in dem Albarn gar nicht mehr viel zu tun braucht, als mit etwas Wortwitz aufzutreten („We don’t care ’cause we’re all animal… lovers“). Einer der wenigen zwingenden Momente auf einem handwerklich hervorragenden jedoch wenig mitreißenden Comeback-Album.

Jonatan Biskamp

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